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Slowaken und Polen kämpfen gegen die Wassermassen

Die Hochwasserlage in Polen bleibt angespannt.Großansicht
Hamburg (dpa) - Gebrochene Deiche, überflutete Dörfer, ertrunkene Menschen: Die Flut in der Slowakei und in Polen wird immer dramatischer. Tausende wurden vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht. Die Slowakei erlebe derzeit ein «Jahrtausendhochwasser», sagte Premier Robert Fico in Bratislava.

In Polen rollt die Flutwelle auf der Weichsel drei Wochen nach dem verheerenden Hochwasser im Mai erneut mit zerstörerischer Kraft durchs Land. Die Situation im Süden sei gefährlich, sagte Regierungschef Donald Tusk nach einer Sitzung des Krisenstabes in Warschau. Auch in Ungarn blieb die Hochwasserlage nach den ausgiebigen Regenfällen der vergangenen Wochen am Samstag angespannt.

Es sei ein «riesiges Glück», dass bislang keine Toten in der Slowakei zu beklagen seien, sagte Fico. Drei Menschen wurden allerdings nach Angaben der Rettungskräfte vermisst. In mehreren Regionen des Landes haben die Flüsse historische Höchstwerte erreicht. Die Messvorrichtungen reichten nicht mehr aus, um den Wasserpegel zu erfassen, sagte der Premier. Innenminister Robert Kalinak berichtete, dass viele Gemeinden überschwemmt worden seien, die noch nie zuvor überflutet wurden. Die dort lebenden Menschen seien unvorbereitet von der Katastrophe getroffen worden.

An vielen Eisenbahnlinien der Slowakei seien schwere Schäden entstanden und die Statik zahlreicher Brücken sei gefährdet. Mehr als dreitausend Soldaten sind Fico zufolge im Einsatz, um die örtlichen Feuerwehren zu unterstützen.

In Polen gaben aufgeweichte Dämme dem Druck der Wassermassen am Samstag stellenweise nach. Tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Im Tatra-Kurort Zakopane wurde die Leiche eines 34- jährigen Mannes gefunden, der in der Nacht zum Samstag in einen Bach gefallen war. Ein 87-Jähriger wurde tot aus einem Graben geborgen. In Muszyna starb während der Rettungsmaßnahmen ein Mann an Herzversagen. Zwei Menschen galten als vermisst. Beim Hochwasser in Mai waren in Polen mindestens 22 Menschen gestorben.

Die zweite Flutwelle auf der Oder soll dagegen nach Ansicht polnischer Wetterexperten weniger Gefahren mit sich bringen - der Scheitelpunkt werde zwischen 60 Zentimeter und einem Meter unter den Mai-Höchstwerten liegen, sagte der Chef des Hydrometerologischen Instituts, Mieczyslaw Ostojski.

In Slupiec zwischen Krakau und Tarnobrzeg im Süden des Landes durchbrach das Wasser den Deich. Der Gemeinde Szczucin drohe eine Überflutung. Die Rettung von rund 3000 Menschen aus dem gefährdeten Gebiet lief an - die Armee setzte Amphibienfahrzeuge ein, um Menschen und Tiere zu holen. Weiter nördlich lief die Weichsel über die Deiche in Zastow Polanowski. In der Gegend waren vor zwei Wochen 20 Ortschaften überflutet worden. Damals war im Damm ein Riss von 400 Metern Länge entstanden, der seither nur provisorisch repariert wurde.

Auf den Scheitelpunkt der Weichsel bereitete sich Sandomierz 200 Kilometer südlich von Warschau vor. In der Hauptstadt Warschau sollte der Hochwasseralarm am Sonntag ausgerufen werden. Bei Plock nördlich von Warschau reparierten hunderte Soldaten und Feuerwehrleute die vor zwei Wochen zerstörten Deiche. «Die Chance, dass wir das schaffen, ist sehr gering», sagte der Chef des zentralpolnischen Bezirkes Mazowsze, Jacek Kozlowski.

Dramatisch war die Lage auch in südpolnischen Gebieten mit Nebenflüssen der Weichsel. Der Fluss Poprad zerstörte am Freitag eine Eisenbahnbrücke zwischen Nowy Sacz und Stary Sacz. Zwei weitere Brücken in der Region gelten als gefährdet.

Mehr als 2300 Menschen wurden in Ungarn in Sicherheit gebracht, sagte ein Sprecher des ungarischen Innenministeriums. Besonders schwer betroffen waren die Bezirke Borsod und Szabolcs im Nordosten des Landes, wo die Flüsse Hernad, Sajo und Bodva über die Ufer getreten waren.

In Brandenburg hindert der anströmende Hochwasserscheitel des polnischen Nebenflusses Warthe ab Küstrin-Kietz die Oder-Flut am schnellen Abfließen. Trotz des Sommerwetters drückt die Oder voraussichtlich noch tagelang mit enormen Wassermassen an die Deiche. Bis Mitte nächster Woche werde sich daran wenig ändern, sagte Frank Sonnenburg vom Hochwassermeldezentrum Frankfurt (Oder) am Samstag.

Hochwasser-Infos (polnisch)

Unwetter / Hochwasser / Polen
05.06.2010 · 16:01 Uhr
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