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Sinn: Griechenland bleibt nur Austritt

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: «Die Griechen haben keine Chance, im Euro-Raum wettbewerbsfähig zu werden.» Foto: Stephanie PilickGroßansicht

Hannover/München (dpa) - Der Präsident des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht derweil keine Möglichkeit mehr für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Der Reisekonzern Tui will sich gegen eine mögliche Rückkehr in Griechenlands zur Drachme absichern.

«Die Griechen haben keine Chance, im Euro-Raum wettbewerbsfähig zu werden. Sie müssten ihre Löhne um die Hälfte senken. Das geht nur durch Austritt und Abwertung», sagte Sinn der «Wirtschaftswoche». Auch wenn es keine Rechtsgrundlage für einen Austritt gebe, sei die Trennung vom Euro möglich. «Alles ist technisch machbar, die Trennung der Tschechischen Republik von der Slowakei hat es gezeigt», sagte Sinn.

Um ein panikartiges Abräumen der Euro-Guthaben bei Banken zu vermeiden, müsste die Regierung in Athen die Rückkehr zur Drachme heimlich vorbereiten. «Am besten führt man die Währungsreform an den Weihnachtsfeiertagen durch», sagte der Währungsexperte Manfred Neumann, Professor an der Universität Bonn, der «Wirtschaftswoche». Man müsse dann das ganze Land abschotten. Die Grenzen müssten geschlossen werden, Banküberweisungen wären verboten, um den Abfluss von Geldern einzudämmen. Auch der internationale Flug- und Bahnverkehr würde eingestellt. «Um die neuen Scheine zu drucken, braucht man etwa drei Tage», sagt Neumann.

Allerdings ist der Abfluss von großen Geldbeträgen aus Griechenland nach Expertenmeinung längst im Gange. So berichten etwa Immobilienmakler in Berlin oder London von einem sprunghaften Interesse griechischer Investoren. Mit dem Kauf von Häusern oder Wohnungen wird Geld außerhalb Griechenlands sicher angelegt.

Indessen will sich die Tui in Griechenland gegen eine mögliche Rückkehr des Landes zur Drachme absichern. «Das ist auch im Sinn der Urlauber», bestätigte Konzernsprecher Robin Zimmermann am Samstag einen Bericht der «Bild-Zeitung». Dem Blatt liegt ein Brief vor, in dem griechische Hoteliers aufgefordert werden, einen neuen Vertrag vor dem Hintergrund einer möglichen Währungsumstellung zu unterschreiben. «Alle Tui-Töchter müssen generell schauen, dass sie gegen Wechselkursschwankungen abgesichert sind», erklärte Zimmermann.

Hintergrund des Briefes, der laut Zimmermann von den skandinavischen Tui-Töchtern stammt, ist die Befürchtung, dass Griechenland den Euro-Raum verlassen und die Drachme wieder einführen könnte. Ökonomen gehen davon aus, dass eine neue griechische Währung direkt nach der Einführung massiv an Wert verlieren könnte. Für diesen Fall will Tui Zahlungen an griechische Hotels absichern. «Wenn der Euro nicht mehr die Währung sein sollte ..., ist Tui berechtigt, die Geldsumme in der neuen Währung zu bezahlen. Der Wechselkurs richtet sich nach dem von der Regierung vorgegebenen Wechselkurs» zitiert «Bild» aus dem Schreiben. Der griechische Hotelierverband habe empört auf die Forderung des Reisekonzerns reagiert, schreibt das Blatt weiter.

EU / Finanzen / Währung / Griechenland
05.11.2011 · 22:50 Uhr
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