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Siebenjähriger mit über zwei Promille in Klinik

Krankenschwestern kümmern sich in der Notaufnahme um einen stark betrunkenen Jugendlichen.(Archivbild)Großansicht
Berlin (dpa) - Sein ganzer Körper zittert, er übergibt sich. Volltrunken verliert ein siebenjähriger Berliner Junge schließlich das Bewusstsein und bleibt an dem bitterkalten Novemberabend auf dem Gehsteig liegen.

Mit mehr als zwei Promille Alkohol ist das Kind am Sonntagabend von Anwohnern in Berlin-Spandau entdeckt worden. Sanitäter der Feuerwehr brachten ihn auf die Intensivstation eines Krankenhauses. Der Kleine schwebte zeitweise in Lebensgefahr, wie die Berliner Polizei mitteilte. Am Montag war das Schlimmste überstanden, aber der Junge muss noch in der Klinik bleiben.

Fälle von volltrunkenen Kindern unter zehn Jahre sind äußerst selten. Laut den aktuellsten vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden und der Länderbehörden mussten im Jahr 2007 deutschlandweit zehn Kinder unter zehn Jahren wegen Alkoholmissbrauchs in Krankenhäuser gebracht werden, davon waren fünf sogar jünger als fünf Jahre. Dort nüchterten sie unter ärztlicher Aufsicht aus.

Alkohol wirkt sich auf Kinderkörper massiver aus als bei Erwachsenen, weiß der Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters in Hamburg, Rainer Thomasius. «Sie werden rascher bewusstlos. Dafür reichen schon 1,3 Promille aus.» Auch dauere der Alkoholabbau länger als bei Erwachsenen, die im Durchschnitt pro Stunde jeweils 0,1 Promille abbauen. Über Langzeitfolgen für die kleinen Körper wisse man kaum etwas, weil es hierüber keine Studien gebe, sagte Thomasius der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Der hohe Promillewert bei dem betrunkenen Berliner Kind überrascht den Hamburger Suchtexperten. «Ein getrunkenes Bier hat dafür nicht gereicht. Das muss schon mehr gewesen sein.» Der Siebenjährige habe Glück gehabt, dass er von Anwohnern entdeckt wurde: «Beim Erbrechen kann Mageninhalt in die Luftröhre geraten. Der Junge hätte ersticken können», sagte Thomasius.

Den Alkohol soll der Junge nach ersten Erkenntnissen auf einem Spielplatz gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder getrunken haben. Die Getränke sollen die Kinder nach Angaben der Polizei von einer Gruppe Jugendlicher bekommen haben. Was sie getrunken haben, sagten die Jungen bislang nicht. Der Ältere war nur leicht betrunken und musste nicht ins Krankenhaus.

Jugendliche verabreden sich häufig auf öffentlichen Plätzen zum Trinken. Diese Treffen haben Rituale. «Einige trinken große Mengen Alkohol, anderen passen auf, ob jemand kommt», erläuterte Thomasius. Ältere würden dabei auch jüngere Freunde zum Trinken von Alkohol überreden. «Kinder haben ein ausgeprägtes Neugier-Verhalten. Sie werden animiert mitzumachen und greifen dann ordentlich zu.»

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat jeder zweite Zwölfjährige in Deutschland schon einmal einen Rausch erlebt. Etwa 17 000 Patienten im Alter von 11 bis 17 Jahren wurden 2007 deswegen in Kliniken behandelt. Damit mussten im bundesweiten Durchschnitt drei von tausend Jugendlichen wegen eines Alkoholrauschs in einer Klinik versorgt werden.

Notfälle / Kinder
09.11.2009 · 17:37 Uhr
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