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Sicherheitsmängel nach Grubenunglück angeprangert

Helfer bei der Suche nach Verschütteten bei einem Grubenunglück in China. Chinas Bergwerke zählen zu den gefährlichsten der Welt. (Archivbild)
Peking (dpa) - Schlechte Ventilation und Sicherheitsmängel gehörten zu den Ursachen des schwersten Grubenunglücks in China seit zwei Jahren, das voraussichtlich 108 Kumpel das Leben gekostet hat.

«Der Unfall enthüllte viele Probleme im Management des Bergwerks», sagte der Chef der staatlichen Werkschutzbehörde, Luo Lin, laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua. «Wir müssen Lehren daraus ziehen.» Auch seien die mehr als 500 Bergarbeiter unter Tage nicht schnell genug in Sicherheit gebracht worden, als die «außergewöhnlich hohen Gaskonzentrationen» gemessen worden seien, kritisierte Luo Lin. Bis Montag bargen die Rettungstrupps 104 tote Kumpel aus der Xinxing Grube bei Hegang in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang. Für vier Verschüttete gab es kaum noch Hoffnung.

Die Untersuchungen sind angelaufen. Als erste Konsequenz wurden der Geschäftsführer und zwei andere Funktionäre der Grube ihrer Posten enthoben. Bergarbeiter Fan Minghua, der seit vier Jahren für die Gasmessungen zuständig ist, schilderte Xinhua die letzten Minuten: «Bei meinen Messungen stellte ich fest, dass die Konzentrationen in der Luft über zehn Prozent lagen.» Dabei wird es schon bei zwei Prozent gefährlich. Er habe alle Arbeiter an seiner Plattform angebrüllt, sofort zu verschwinden, den Strom abgeschaltet und die Verantwortlichen über Tage informiert.

«Wir waren am Tor, als die Explosion passierte», schilderte der 48-jährige Fu Maofeng der «China Daily». «Alles was wir hörten, war ein lauter Knall. Ehe wir uns versahen, traf uns eine Hitzewelle und haute mich um. Stücke von Ziegeln und Steinen flogen überall herum.» Noch zitternd berichtete der 54-jährige Yuan Shusheng vom Krankenbett im Hospital laut Xinhua: «Als wir wegen des vielen Gases alarmiert wurden, rannte ich zum Aufzug, aber bevor ich den Ausgang erreichte, warf mich die Schockwelle nieder und ich verlor das Bewusstsein, bis mich die Bergungsmannschaften herauszogen.»

Besonders im Winter passieren in China viele Grubenunglücke. In der kalten Jahreszeit ist die Gasgefahr nach Expertenangaben besonders groß. Auch fördern viele Kohlegruben wegen der starken Nachfrage und der steigenden Preise besonders viel. Gerade in den vergangenen Wochen, mit dem frühen und kalten Wintereinbruch in China in diesem Jahr, war die Produktion in vielen Bergwerken deutlich hochgefahren worden. «Das Bergwerk hatte zu viele Plattformen in Betrieb und zu viele Arbeiter unter Tage geschickt, um die Förderung anzukurbeln», kritisierte Zhao Tiechui von der Werkschutzbehörde in Peking. «Die Schachtanlage war aber viel zu kompliziert, als dass das gegenwärtige Ventilationssystem wirksam hätte arbeiten konnte.»

Mit solchen schnellen Schuldzuweisungen täuschen die zentralen Behörden immer wieder Handlungsfähigkeit vor, doch an der schlechten Sicherheitslage in Chinas Bergbauindustrie ändert sich dadurch wenig. Die Bergwerke der Volksrepublik bleiben die gefährlichsten der Welt. Nirgendwo sterben - auch gemessen an der Förderleistung - mehr Bergleute als in China, denn die behördliche Aufsicht funktioniert nicht. Lokale Funktionäre machen gemeinsame Sache mit den reichen Kohlebossen.

In dieser Vetternwirtschaft haben die Kumpel selbst keine Rechte. Kleine Unfälle mit ein paar Toten werden leicht vertuscht. Wer angesichts der Gefahren nicht mitmachen will, kann jederzeit von Job suchenden Wanderarbeitern ersetzt werden, die gerade in der Wirtschaftskrise überall Schlange stehen.

Unfälle / China
23.11.2009 · 14:09 Uhr
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