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Seehofer attackiert ADAC - Club-Präsident lehnt Rücktritt ab

ADAC-Präsident Peter Meyer steht unter Beschuss. Foto: Jan-Philipp Strobel

Berlin/München (dpa) - Unabhängige Untersuchungen, Reformpläne und viele Beteuerungen - der ADAC kämpft weiter darum, sein ramponiertes Image zu verbessern. Doch der Druck lässt nicht nach. Rücktrittsforderungen weist ADAC-Präsident Meyer weiter zurück.

Der ADAC steht nach den aufgedeckten Manipulationen beim Autopreis «Gelber Engel» weiter unter Druck. Scharf wird der Club inzwischen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer attackiert. «Das Ausmaß von Filz und Manipulation beim ADAC macht mich sprachlos», sagte Seehofer der «Bild»-Zeitung (Samstag). Indirekt stellte er auch die Kompetenz der ADAC-Führung um Präsident Peter Meyer infrage: «Die ADAC-Spitze muss jetzt beweisen, dass sie noch in der Lage ist, das nötige Maß an Aufklärung zu liefern.» Meyer selbst wies Rücktrittsforderungen zurück. «Ausbüxen ist aus meiner Sicht das falsche Signal.» Er sehe seine Pflicht darin, weiter für die gute Sache zu kämpfen, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Meyer hält eine Manipulation der Rangfolge bei der Wahl zum Lieblingsauto 2014 immer stärker für möglich. Klarheit werde zwar erst der Ergebnisbericht der externen Wirtschaftsprüfer Anfang kommender Woche bringen. «Meine ganz persönlichen Zweifel sind in den letzten Tagen aber weiter gewachsen», sagte er. Für die Ankündigung der Autoindustrie, die Pokale der vergangenen Jahre im Zweifel zurückzuschicken, zeigte er Verständnis. «Trotzdem empfehle ich, die konkreten Ergebnisse der Deloitte-Untersuchung abzuwarten.»

Der Vorsitzende des Porsche-Betriebsrats, Uwe Hück, verlangte in der «Bild», der ADAC müsse ein Mitbestimmungsgremium wie in Unternehmen einführen. «Für mich ist der ADAC schon längst kein Verein mehr, sondern ein Konzern. Deshalb muss ein Mitbestimmungsgremium installiert werden. Wenn der ADAC-Vorstand sich darauf nicht einlässt, muss er geschlossen zurücktreten», sagte Hück.

Führende deutsche Autokonzerne erwägen, ihre Preise zurückzugeben, sollte bei der Wahl nicht nur die Stimmenzahl, sondern auch das Ranking manipuliert worden sein. Eine kollektive Preis-Rückgabe durch die Autokonzerne wäre ein weiterer Imageschaden für den Autoclub mit fast 19 Millionen Mitgliedern.

Für Volkswagenchef Martin Winterkorn gibt es offenbar ohnehin schon zu viele Preise. Er sagte dem Magazin «Focus»: «Auto-Preise sollten schon einen exklusiven Charakter haben und nicht inflationär sein.» BMW betrachtet die Auszeichnungen dem Bericht zufolge grundsätzlich als «wertlos», sollten sie nicht transparent ermittelt werden. Der Münchner Hersteller will deshalb vor einer Prämierung künftig genau wissen, wie die Auszeichnung ermittelt wurde. Bei Mercedes heißt es, man wolle «abwarten, wie diese ganze Sache ausgeht, und sich dann Gedanken machen». Publikums-Preise seien «nichts wert, wenn nicht klar ist, dass sie auch wirklich die Meinung der Autofahrer wiedergeben».

Experten sehen als Folge des ADAC-Skandals unterdessen keine dramatischen Folgen für andere derartige Preise. «Sie haben sicher ihre Bedeutung, aber man sollte die Effekte solcher Auszeichnungen auch nicht überbewerten», sagte der Automobilexperte und Partner bei der Unternehmens- und Strategieberatung Bain & Company, Klaus Stricker, der Nachrichtenagentur dpa. Imageverluste für die Branche erwartet der Fachmann nicht.

Verbände / Auto / Verkehr / ADAC
08.02.2014 · 15:43 Uhr
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