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Schwierige Mission: Westerwelle in Kabul

Außenminister Guido Westerwelle auf dem Flug nach Afghanistan. Aus Sicherheitsgründen war die Reise bis zur Ankunft des Ministers geheim gehalten worden.Großansicht
Kabul (dpa) - Anfangs erlebt Guido Westerwelle einen Morgen wie aus dem Bilderbuch. Für den Anflug auf Kabul hat sich der neue Außenminister in der Bundeswehr-Transall ins Cockpit gesetzt. Der erste Sonnenaufgang über dem Hindukusch - einer der Momente, den man zeit seines Lebens nicht vergisst.

Aber dann holt den Vizekanzler am Donnerstag bei seinem bislang schwierigsten Antrittsbesuch schnell die Realität ein. Noch im Flugzeug muss Westerwelle eine kiloschwere Splitterschutzweste anlegen. Der Rest der Delegation darf bis nach der Landung warten.

Afghanistans Hauptstadt gehört zu den Orten, in die das Bundeskriminalamt deutsche Minister ohnehin nur mit zusätzlichem Personenschutz reisen lässt. Aber an diesem Morgen sind die Sicherheitsvorkehrungen kaum noch zu überbieten: Präsident Hamid Karsai - früher der große Hoffnungsträger des Westens, heute ein kaum minder großer Problemfall - wird zum zweiten Mal vereidigt. Und groß ist die Sorge, dass die radikal-islamischen Taliban dies für Anschläge nutzen.

Aus Furcht vor Selbstmord-Bombern und Raketenbeschuss wird auch der Westerwelle-Besuch bis zur letzten Minute geheim gehalten. Nach der Ankunft geht es im gepanzerten Konvoi in die Stadt. 18 Geländewagen sind es insgesamt, jeder davon wegen der Umrüstung aus Sicherheitsgründen eine halbe Million Euro teuer. Abgesehen von schwer bewaffneten Sicherheitskräften ist kaum jemand auf der Straße. Karsai hat den Tag auch noch zum Feiertag erklärt.

Der erste Termin führt Westerwelle dann in die amerikanische Botschaft. Dort hat US-Außenministerin Hillary Clinton einige Kollegen zum Arbeitsfrühstück eingeladen. Der Westen ist sich einig darin, dass der Druck auf Karsai jetzt erhöht werden muss. Jeder weiß, wie massiv bei der Wahl am 20. August betrogen wurde. Die zweite Runde erübrigte sich, weil Gegenkandidat Abdullah Abdullah in der Erwartung neuer Manipulationen nicht mehr antreten wollte. Vielen Regierungen fiel die Gratulation an Karsai deshalb schwer.

Mit der zweiten Amtszeit seien jetzt «große Erwartungen» verbunden, gibt Westerwelle die Meinung der Kollegen wieder. Insbesondere den Kampf gegen die weitverbreitete Korruption müsse die neue afghanische Regierung zu einem «Kernanliegen» machen. «Wir wollen eine Regierung, die die Interessen von ganz Afghanistan berücksichtigt.» Anders hat sich auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht geäußert, der vergangene Woche als erster Minister der schwarz-gelben Regierung in Afghanistan war.

Bei der Zeremonie im Präsidentenpalast sitzt Westerwelle dann in der ersten Reihe, zwei Stühle neben US-Außenministerin Hillary Clinton. Nach Regierungsangaben nehmen fast 1000 Gäste an den Feierlichkeiten teil, ein Viertel davon sind Vertreter ausländischer Staaten oder Organisationen. Nach dem Amtseid auf den Koran verspricht Karsai eine bessere Regierungsführung und einen entschlosseneren Kampf gegen die Korruption. Er stellt in Aussicht, dass afghanische Kräfte innerhalb der nächsten fünf Jahre weitgehend selbst für die Sicherheit im eigenen Land sorgen könnten. Westerwelle lobt eine «Rede mit den richtigen Schwerpunkten, die unsere Erwartungen erfüllt». Jetzt komme es aber darauf an, «dass den richtigen Worten auch die richtigen Taten folgen».

In den Hintergrund gerät an diesem Tag, was der Außenminister zur Zukunft des Bundeswehr-Einsatzes am Hindukusch sagt. Im Prinzip sind es auch Töne, die man von Vorgänger Frank-Walter Steinmeier kennt. In dieser Legislaturperiode - also bis 2013 - soll es eine klare Perspektive für den Abzug der derzeit 4500 deutschen Soldaten geben. «Wir wollen in Afghanistan nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag bleiben, auf ewig und drei Tage.» Am Nachmittag geht es dann weiter zum größten deutschen Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Ein solcher Termin ist auch für den Außenminister Pflicht.

Konflikte / Afghanistan
19.11.2009 · 11:09 Uhr
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