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Schwere Schäden nach starken Gewittern

Unwetter in Sachsen-AnhaltGroßansicht

Berlin (dpa) - Stürmische Gewitter mit tausenden Blitzen, starkem Hagel und Regen haben in Deutschland Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Besonders verheerend wütete das Unwetter am Sonntagabend in Sachsen-Anhalt, wo Menschen mit Schlauchbooten von der Autobahn gerettet werden mussten.

In Bernburg, südlich von Magdeburg, tötete ein Dachziegel eine 51-Jährige, in der Umgebung der Stadt deckte ein Tornado Dutzende Dächer ab. Hagelkörner waren angeblich so groß wie Hühnereier. In Cörmigk, einem Ortsteil der Kleinstadt Könnern, sahen Dachstühle wie Gerippe aus. Allein im Salzlandkreis waren hunderte Häuser mit etwa 3500 Bewohnern betroffen.

Die Gewitter fielen besonders heftig aus, weil in der Mitte Deutschlands schwül-warme Luft von über 30 Grad und kühle Luft unter 20 Grad aufeinanderprallten, wie der der Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach erläuterte.

Die A14 zwischen Könnern und Bernburg war am Montag wieder frei. Die Autobahn war von Geröll- und Schlammlawinen überflutet worden. Mehrere Autos waren von Erdmassen eingeschlossen, Menschen harrten auf den Dächern ihrer Fahrzeuge aus. Die Feuerwehr musste fünf Menschen mit Schlauchbooten retten. Zum Räumen der Autobahn setzte die Polizei auch einen Schneepflug ein.

Umgestürzte Bäume und herumfliegende Äste kappten zahlreiche Freilandleitungen und sorgten für Stromausfälle, wie eine Sprecherin des Stromversorgers enviaM in Chemnitz mitteilte. 9500 Kunden in Sachsen-Anhalt aber auch Brandenburg waren in Spitzenzeiten betroffen. Im Laufe des Montags sollten alle Schäden behoben sein.

Den Schaden rasch zu beziffern sei unseriös, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) bei einem Besuch des Krisenstabs. Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos) sprach dagegen davon, allein in der Region Bernburg gebe es einen geschätzten Schaden von rund 70 Millionen Euro, etwa 700 Häuser seien in Bernburg und Orten der Umgebung zerstört.

Wassermassen überfluteten auch in anderen Teilen Deutschlands zahlreiche Keller. Bäume fielen um, und Straßen wurden überschwemmt. Im oberfränkischen Forchheim wehte eine Böe eine 36-Jährige von ihrem Motorrad und verletzte sie leicht. Im Raum Karlsruhe stürzten entwurzelte Bäume auf drei Autos. In Hessen bei Kirchhain verletzten sich zwei Motorradfahrer. In Nord- und Mittelhessen waren am Montag die Hagelberge weggeräumt, die meisten Straßen wieder frei. In Hundelshausen bei Witzenhausen hatte es nach dem Unwetter vom Sonntag wie nach einem Wintereinbruch ausgesehen. Dort waren fünf Kinder, die sich während eines Volksfestes außerhalb des Festzeltes aufgehalten hatten, von «taubeneigroßen» Hagelkörnern leicht verletzt worden.

Auch der Zugverkehr war an einigen Stellen in Deutschland beeinträchtigt. Eine vom Blitz beschädigte Oberleitung bei Heidelberg-Wieblingen war am Montagmittag wieder repariert.

Einen Tag nach dem Zugunglück bei St. Goar im Mittelrheintal standen die entgleiste IC-Lokomotive und alle Waggons wieder auf den Schienen. Wann die Strecke wieder freigegeben werden könne, blieb zunächst unklar. Der Fernverkehr zwischen Koblenz und Mainz wurde über die rechte Rheinseite umgeleitet. Die Reisezeit verlängert sich um etwa eine halbe Stunde. Heftiger Regen hatte am Sonntag einen Erdrutsch ausgelöst, daraufhin war der Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord auf der linken Rheinstrecke entgleist. Der Lokführer erlitt einen Oberschenkelbruch, zehn Fahrgäste und vier Zugbegleiter kamen mit leichten Verletzungen davon.

Wetter / Unwetter
12.09.2011 · 16:01 Uhr
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