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Schweinegrippe: Volle Praxen, wenig Impfstoff

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Hamburg (dpa) - Obwohl viele Bundesbürger der Schweinegrippe-Impfung nach wie vor skeptisch gegenüber stehen, ist der Stoff in vielen Regionen bereits Mangelware. Unterdessen scheint die Impfbereitschaft mit der Zahl der Todesfälle zu steigen.

Am Freitag wurde bekannt, dass in Deutschland ein zweiter Mensch an der Schweinegrippe gestorben ist, der keinerlei bekannte Vorerkrankungen hatte. Todesursache bei dem 40-jährigen Berliner war eine von dem neuen H1N1-Virus ausgelöste Lungenentzündung, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Er war bereits am Montag gestorben. Ende Oktober war eine 48-jährige Mutter in Bonn dem Virus erlegen, die ebenfalls keine weiteren Leiden hatte. Insgesamt gibt es bislang neun Todesfälle und rund 30 000 Erkrankte in Deutschland.

In weiten Teilen Deutschlands läuft der Start der Impfaktion gegen die Schweinegrippe holprig an, wie eine Umfrage der Deutschen Presse- Agentur dpa ergab. Lange Warteschlangen, überlastete Info-Hotlines und zu wenig Impfstoff machen demnach viele Menschen sauer. Es gibt aber auch Regionen, in denen Ärzte auf Patienten warten, die sich schützen lassen wollen. «Wir können Sie nur auf eine lange Warteliste setzen und rufen Sie dann an, um Ihnen einen Impftermin mitzuteilen.» Diese Auskunft einer Praxis in Nenndorf ist typisch für das, was viele Niedersachsen zurzeit erleben. Unter Umständen müssen die Menschen dort Wochen warten, zunächst sollen Risikogruppen wie chronisch Kranke den Schutz erhalten. 

In den Berliner Gesundheitsämtern und bei Hausärzten laufen die Telefone heiß. Im größeren Ausmaß wird in der Hauptstadt aber erst von diesem Montag an geimpft. Die bundesweit 41 000 Angehörigen der Bundespolizei müssen laut einem Zeitungsbericht («Rhein-Zeitung») länger auf ihre Spritze warten, da es bei der Auslieferung zu Verzögerungen gekommen sei. In einigen Praxen in Sachsen-Anhalt sind die Substanzen dagegen schon verbraucht. Gefährdete Berufsgruppen wie Krankenschwestern und Polizisten können sich dort schon seit 26. Oktober spritzen lassen, seit einigen Tagen darf auch «Otto Normalverbraucher». In Thüringen beginnen die niedergelassenen Ärzte in der kommenden Woche mit der Impfung der Bevölkerung.

Engpässe meldet auch Nordrhein-Westfalen: So ist in Münster das bisher gelieferte Serum wegen des großen Andrangs bereits komplett aufgebraucht. Probleme gibt es auch in Rheinland-Pfalz. «Der Impfstoff kam deutlich später als gedacht. Wir sind hinter dem Zeitplan», heißt es beim Landes-Hausärzteverband. Im benachbarten Hessen beträgt die durchschnittliche Wartezeit etwa eine Woche. Dort kann sich inzwischen jeder - nicht nur die Risikogruppen - impfen lassen. Es gibt dort aber auch durchaus Praxen, die auf Patienten warten.

In Bayern, dem Bundesland mit der höchsten Zahl an bestätigten Fällen von Schweinegrippe, strecken viele Mediziner die Waffen: Etliche Praxen haben nicht genug Substanzen vorrätig. Ärzte müssen Patienten oft wieder wegschicken.

Allerdings zeigen Umfragen, dass die meisten Deutschen der Impfung gegen die Schweinegrippe nach wie vor skeptisch gegenüber stehen. Im ARD-DeutschlandTrend gaben 14 Prozent von 1000 Befragten Anfang November an, sich «auf jeden Fall» gegen das neue H1N1-Virus impfen zu lassen. Das sind (nur) zwei Prozentpunkte mehr als im Vormonat. 20 Prozent wollen dies «wahrscheinlich» tun. Aber: Die meisten - 62 Prozent - wollen sich «wahrscheinlich nicht» oder «auf gar keinen Fall» schützen.

Weltweit sind nach Angaben der Europäischen Seuchenbehörde ECDC bislang rund 6400 Menschen im Zusammenhang mit der Schweinegrippe gestorben. Darunter waren 1368 in Brasilien, 1004 in den USA, 154 in Großbritannien und 9 in Deutschland. In Bulgarien ist wegen der Ausbreitung des Virus am Freitag eine landesweite Epidemie ausgerufen worden. Schulen sollen in der kommenden Woche geschlossen bleiben. Sechs Menschen sind in dem Balkanland bereits an der Grippe gestorben.

Die ECDC verweist besonders auf die fatale Situation in der Ukraine. Wegen der besonders schweren Grippewelle in dem krisengeschüttelten Land bat die Weltgesundheitsorganisation WHO die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Die Ukraine brauche dringend Medikamente, medizinisches Personal und Diagnosemittel, sagte der Leiter der seit Wochenbeginn dort tätigen WHO-Delegation, Jukka Pukkila, am Freitag in Kiew. Bei 47 Toten sei das Virus nachgewiesen worden, sagte Pukkila. Bei 62 weiteren stünden die endgültigen Testergebnisse noch aus. Nach WHO-Schätzungen ist die Zahl der Grippe-Infizierten in der Ukraine inzwischen auf mehr rund 763 000 gestiegen. Das Land hat allerdings kein Geld für die teuren Tests, um die Schweinegrippe von der saisonalen Grippe zu unterscheiden.

Gesundheit / Grippe
06.11.2009 · 18:28 Uhr
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