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Schwarz-Gelb verständigt sich auf Wulff

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Donnerstag in Berlin.Großansicht
Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel soll Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff auf ihrer Liste potenzieller Bundespräsidenten-Kandidaten obenan gehabt haben - auch wenn die Medien zunächst Arbeitsministerin Ursula von der Leyen als Favoritin sahen.

Die Nachrichtenagentur dpa erfuhr in Unionskreisen, der niedersächsische CDU-Politiker sei der erste und auch einzige gewesen, den die Kanzlerin und Parteivorsitzende direkt gefragt habe. Merkel habe aber auch von der Leyen, Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundestagspräsident Norbert Lammert (alle CDU) als potenzielle Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen Horst Köhler angesehen.

Die «Mitteldeutsche Zeitung» (Freitag) berichtet dagegen, die CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Hessen, Stefan Mappus und Roland Koch, hätten bei Merkel Widerspruch gegen von der Leyen eingelegt. Ihre Warnung vor Schwierigkeiten habe den Ausschlag für Wulff gegeben. Diese Darstellung wurde in Unionskreisen zurückgewiesen.

Die schwarz-gelbe Koalition hatte sich am Donnerstag auf Wulff als Kandidaten verständigt. FDP und CSU hatten Merkel freie Hand für die Entscheidung gelassen.

Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kann Wulff die Gesellschaft zusammenführen. «Als erfolgreicher Ministerpräsident hat er seine Kraft zur Integration bewiesen und genießt über Parteigrenzen hinweg große Wertschätzung», sagte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende der dpa.

Die CSU-Familienpolitikerin Dorothee Bär bedauerte, dass nicht Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dem zurückgetretenen Horst Köhler folgen soll: «Ich hätte es als großartiges Signal empfunden, wenn die Union neben der Bundeskanzlerin auch zum ersten Mal eine Bundespräsidentin gestellt hätte.»

Die schwarz-gelbe Koalition hat in der Bundesversammlung rechnerisch eine klare Mehrheit von mindestens 21 Stimmen. Der Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, rechnet sich deshalb nur wenig Chancen bei der Wahl am 30. Juni aus. «Ich bin doch Realo, ich bin Realist», sagte der frühere erste Leiter der Stasiunterlagen- Behörde der dpa.

Für den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Gauck ist die Nominierung dennoch Ehre und Herausforderung zugleich. «Es ist eine Ehre, eine solche Nominierung zu erhalten und darüber kann ich mich dann auch freuen», erklärte der 70-Jährige. Er sei spreche seit Jahren darüber, dass man Verantwortung akzeptieren und annehmen müsse. «Wenn ich jetzt eine solche Anfrage bekomme für das höchste Amt - soll ich da Nein sagen?», fragte er und gab gleich selbst die Antwort: «Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung.»

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kritisierte die Nominierung Wulffs. «Wir haben gesagt, wir nehmen auch einen von der CDU, aber doch bitte nicht jemanden, der nur dazu dient, das parteipolitische Interesse zu befriedigen», sagte er im ZDF «heute-journal». Es hätte durchaus Kandidaten aus dem CDU-Lager gegeben, die die SPD unterstützt hätte, so Gabriel: «Denken sie mal an Klaus Töpfer, der international riesiges Ansehen hat und der von uns als Vorschlag ganz anders gewertet worden wäre.»

Bundespräsident
04.06.2010 · 08:29 Uhr
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