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Schwalmtal unter Schock: Ein Nachbar tötete Mirco

Ein Brief an MircoGroßansicht

Schwalmtal (dpa) - Glänzend rot geht die Sonne hinter dem hellgelben Einfamilienhaus auf. «Willkommen» steht auf einem kleinen Messingschild vor der Haustür, aber die grauen Rollläden sind tief heruntergezogen. Der Schornstein raucht nicht, trotz frostiger Minusgrade, und im Briefkasten liegen alte Zeitungen.

Mit gesenktem Kopf huschen die Bewohner des Neubaugebiets am Rand des kleinen Örtchens Schwalmtal-Ungerath an diesem Freitagmorgen in ihre Autos. Am Vortag haben sie erfahren, dass der mutmaßliche Mörder des kleinen Mirco ihr Nachbar gewesen ist. In dem Einfamilienhaus hat der dreifache Familienvater mit Frau und Kindern gewohnt.

Noch vor wenigen Wochen soll der 45-Jährige, so berichten lokale Medien, hier Glühwein ausgeschenkt und ein fröhliches Fest gefeiert haben. Im Nebenhaus soll ein Polizist gewohnt haben. «Geschockt und völlig überrascht» sei die Familie gewesen, als die Ermittler am Mittwochfrüh vorbeikamen, um den Hausherrn abzuholen, berichtet Ingo Thiel, Leiter der Sonderkommission Mirco. Niemand hatte etwas bemerkt, monatelang. Der Mann habe sich «völlig normal» verhalten. Inzwischen haben die Ermittler die Familie an einen geschützten Ort gebracht. Olaf H. hat gestanden und sitzt in Untersuchungshaft.

Wenige Straßen weiter prangt sein Bild an einem Kiosk - leicht verschwommen auf der Titelseite einer Boulevardzeitung. «Das ist grauenhaft, besonders für die Familie und die Kinder», sagt der Kioskverkäufer. Viele seiner Kunden kannten den Mann, der gestanden hat, dass er Mirco umbrachte - die Nachricht deprimiert den ganzen Ort. Eine alte Dame kommt vorbei, sie hat Tränen in den Augen. «Ich weiß gar nicht mehr, wo ich hier wohne.»

Als «junge und lebendige Gemeinde am mittleren Niederrhein» wird Schwalmtal auf der Rathaus-Homepage beschrieben. Aber das Städtchen mit seinen 20 000 Einwohnern kommt aus den Schreckensschlagzeilen nicht heraus: Erst vor rund einer Woche hatte dort ein 20-Jähriger eine 73-jährige Frau getötet und beraubt. Im August 2009 richtete ein 72-jähriger Rentner ein Blutbad an, als er bei einer Hausbegehung zwei Rechtsanwälte und einen Gutachter erschoss. Jetzt das mit Mirco. «Das ist alles so schrecklich», sagt die 19-jährige Clara Herdenbach, die in einer Drogerie arbeitet. «Man fühlt sich überhaupt nicht mehr wohl hier.»

Den Kioskbesitzer haben all die Schlagzeilen, die er jeden Tag verkauft, zynisch werden lassen. «Hier ist was los», seufzt er resigniert. «Da muss man nicht mehr nach Hollywood.»

Kriminalität / Kinder
28.01.2011 · 15:10 Uhr
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