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Schwacher Euro: Schlecht fürs Tanken, gut für Exporte

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Berlin (dpa) - Die Schuldenkrise im Euroraum und die immer größer werdenden Sorgen um die Weltwirtschaft haben den Eurokurs kräftig sinken lassen.

Das wirkt sich unterschiedlich aus: Viele Rohstoffe werden auf globalen Märkten in Dollar gehandelt - und die verteuern sich. Auch manche Urlauber bekommen die Schwäche gegenüber der US-Währung zu spüren. Dagegen dürfte es für die Exportwirtschaft einfacher werden, Produkte «Made in Germany» loszuwerden. Nachfolgend Fragen und Antworten zum Thema.

Welche unmittelbaren Folgen hat ein schwächerer Euro?

Ein Blick auf den Ölmarkt zeigt das recht anschaulich: Denn auf einem globalisierten Markt wie diesem ist ein schwächerer Euro gleichbedeutend mit einem stärkeren Dollar. Da auf dem Ölmarkt in US-Dollar gehandelt wird, muss in Euro logischerweise mehr für ein Barrel Rohöl bezahlt werden. Das kann auf längere Sicht auch Folgen für die Verbraucher haben: Denn wenn der Ölpreis steigt, verteuern sich auch andere Produkte wie Benzin und Heizöl. «Generell gilt: Was nicht in Euro gehandelt wird, wird teurer», erläutert Adalbert Winkler, Professor für Development Finance an der Frankfurt School of Finance & Management.

Wie heftig ist der Kursrutsch denn?

Die aktuelle Schwäche am Devisenmarkt ist relativ: Der Euro ist in den vergangenen Monaten stark gesunken und lag am Dienstag zeitweise unter 1,36 Dollar - der Rekord liegt bei fast 1,60 Dollar im Jahr 2008. Allerdings hatte die Gemeinschaftswährung ihren Auftritt 1999 mit nur etwa 1,18 Dollar - und war dann sogar bis auf etwa 0,83 Dollar im Jahr 2000 abgesackt, bevor ein mehr oder weniger stetiger Aufwärtstrend einsetzte.

Gibt es denn auch positive Effekte eines schwächeren Euro?

Ja, das gilt etwa für den Export deutscher Produkte in Länder außerhalb der Eurozone wie etwa in den Dollar-Raum: «Denn Waren mit einem festen Europreis sind für den Abnehmer nun günstiger, was die Nachfrage steigert», sagt Professor Michael Frenkel, Rektor der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Viele Produkte «Made in Germany» sind seiner Ansicht nach bei einem schwachen Euro in Kombination mit ihrem hohen Qualitätsstandard dann noch stärker gefragt. «Hiervon profitiert die stark auf den Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft.» Auf der anderen Seite verteuern sich natürlich die Importe.

Werden die Währungsschwankungen denn eins zu eins weitergegeben?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. «Es ist immer die Frage, ob beispielsweise Importeure die Preisanpassungen auch mit Blick auf künftige Marktanteile wirklich umsetzen können», gibt Professor Winkler zu bedenken. Das kann man sich in etwa so vorstellen wie bei den Discountern: Diese geben Preissteigerungen angesichts den gnadenlosen Konkurrenzkampfes in der Branche in aller Regel auch nicht im Alleingang weiter - aus Furcht, die Kundschaft abzuschrecken.

Hat die Euro-Schwäche auch Auswirkungen auf Geldanlagen und Kredite?

Ja. «Ist Geld in ausländischer Währung angelegt, macht sich dies im Depot positiv bemerkbar», erläutert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er rät aber ab, die Geldanlage einzig und allein auf Währungsgeschäfte auszurichten. «Hier sollte immer das Prinzip der vernünftigen Streuung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageformen gelten.» Ein schwacher Euro ist für Kredite, die in Fremdwährung laufen - etwa manche Immobilienfinanzierungen - schlecht. «Denn sie werden je nach Restschuld entsprechend teurer.»

EU / Finanzen / Währung
20.09.2011 · 22:50 Uhr
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