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Schulleiter: «Wir geben ganz praktische Ratschläge»

Hamburg (dpa) - Besser, aber nicht spitze - bei der Pisa-Studie hat Deutschland aufgeholt. Bei dem internatonalen Leistungsvergleich von 15-Jährigen lagen die deutschen Schüler beim Lesen dieses Mal im Durchschnitt. Grundschüler schneiden bei solchen Studien beim Lesen oft besser ab.

An vielen Grundschulen wird dafür auch viel getan. Die Grundschule Bahrenfelder Straße in Hamburg etwa bekam 2008 den Titel als «Literaturschule». Schulleiter Rüdiger Clausen hat dpa das Konzept erklärt.

Was ist Ihr Ansatz?

Rüdiger Clausen: «Wir versuchen möglichst viele Kinder ans Buch zu bringen und ihnen den Spaß daran zu vermitteln, und zwar möglichst früh. Je eher sie einen Zugang dazu finden, desto besser. Dann klappt es oft eher, die Leselust vom Grundschulalter in die Teenagerzeit hinüberzuretten, und das ist sehr wichtig. Lesen ist eine absolute Bereicherung. Es regt die Fantasie und die Kreativität an. Und wer viel liest, hat einen großen Lerneffekt. Er kann besser mit Sprache umgehen, der Wortschatz wird erweitert. Man muss das Lesen aber trainieren. Wenn man fast nie liest, verlernt man es vielleicht sogar wieder.»

Wie sieht die Leseförderung bei Ihnen praktisch aus?

Rüdiger Clausen: «Wir versuchen vor allem dafür zu sorgen, dass alle Kinder Zugang zu Büchern haben. Es gibt Kisten mit Pausenbüchern, in den Klassenzimmern stehen Bücher, und wir haben eine kleine Bücherei. Die Bücher werden ein Mal im Jahr ausgetauscht, damit die Kinder immer wieder etwas Neues im Regal finden. Wir binden die Schüler in die Büchereiarbeit ein. Daran haben sie viel Spaß. Aber wir veranstalten zum Beispiel auch Lesenächte. Da übernachtet eine Klasse in der Schule und hört abends im Dunkeln Gruselgeschichten. Es gibt Vorlesewettbewerbe, Viertklässler lesen Zweitklässlern vor und vieles mehr.»

Wie beziehen Sie die Eltern ein?

Rüdiger Clausen: «Wir haben viele Kinder hier, die aus sogenannten bildungsfernen Familien kommen. Einige haben zum Beispiel fast keine Kinderbücher zu Hause. Und viele Mütter und Väter lesen ihren Kindern nie oder nur selten vor. Das liegt oft auch daran, dass sie das als Kind selbst nicht erlebt haben. Wir sprechen solche Eltern direkt an und zeigen ihnen, was sie tun können, um ihren Kindern Spaß am Lesen zu vermitteln. Die wissen oft gar nicht, wie man das macht. Zum Beispiel abends im Bett Geschichten vorlesen oder zusammen in die Bücherei gehen und für wenig Geld Bücher ausleihen. Wir geben ganz praktische Ratschläge, und nach einer gewissen Zeit haben viele Eltern so viel Vertrauen aufgebaut, dass sie die Ratschläge auch gerne annehmen.»

Bildung / Schulen / PISA
07.12.2010 · 20:52 Uhr
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