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Schuldspruch für Amanda Knox: «Keiner glaubt mir»

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Perugia (dpa) - Nach 13 Stunden Beratung lautete das Urteil «schuldig»: Amanda Knox, der «Engel mit Eisaugen», ist vom Geschworenengericht in der italienischen Stadt Perugia in der Nacht zum Samstag verurteilt worden.

Die 22-jährige Amerikanerin soll für 26 Jahre ins Gefängnis, weil Indizien dafür sprechen, dass sie ihre 22-jährige britische Kommilitonin Meredith Kercher im Drogenrausch grausam ermordet hat. Knox' 25-jähriger italienischer Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Mitten in der Nacht wurden beide von der Polizei mit heulenden Sirenen zurück ins Gefängnis gebracht - vorbei an Schaulustigen, Reportern und Fernsehkameras. US-Medien berichteten live aus Perugia. Nach elf Monaten ist nun der spektakuläre Indizienprozess vorerst beendet. Doch die Verteidiger der beiden kündigten an, in die Berufung zu gehen.

Mit dem Aufschrei «nein, nein, nein» brach die bis dahin kühl und gelassen wirkende Amerikanerin bei der Urteilsverkündung in Tränen aus und fiel ihrem Anwalt Luciano Ghirga in die Arme. Ihr früherer Freund Raffaele dagegen verzog keine Miene. «Nur Mut, nur Mut, Raffale», rief ihm die Freundin seines Vaters nach, als er aus dem Gerichtssaal geführt wurde. «Keiner glaubt mir, ich habe Meredith nicht umgebracht», weinte Knox (22), während ihr ehemaliger Lover, der süditalienische Informatikstudent Raffaele Sollecito, von einem «Alptraum» sprach.

Anwälte und Familien der Verurteilten kündigten Widerstand gegen die Entscheidung der Richter an. Am Tag nach dem Schuldspruch zeigte sich die Familie des Opfers «zufrieden, aber nicht zum Feiern aufgelegt».

Für die sechs Geschworenen und zwei Richter war es nach dem von internationalem Medienrummel begleiteten Indizienprozess schwer, die Wahrheit zu finden. US-Medien hielten Amanda von Beginn an für unschuldig. Doch italienische Journalisten bezeichneten die blonde junge Frau, die vor Gericht die Haare zu einem braven Bauernzopf geflochten hatte, als «mörderischen Engel».

Meredith Kercher war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, halbnackt und von Dutzenden Messerstichen übersät in ihrer Wohnung in Perugia gefunden worden. Vor ihrem Tod hatte man die junge Britin vergewaltigt.

Der Prozess gegen Knox und ihren Ex-Freund hatte elf Monate gedauert. Dabei war es um Drogenmissbrauch und ausufernde Sexspiele gegangen, bei denen Kercher nicht habe mitmachen wollen. Beide Angeklagten hatten stets ihre Unschuld beteuert.

Eine einfache Mehrheit genügte für einen Urteilsspruch. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslang für beide Angeklagten verlangt und unter anderem auf belastende DNA-Spuren am Tatmesser und am BH der Toten hingewiesen. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert aus Mangel an Beweisen.

Die Familie der Ermordeten zeigte sich nach dem Urteil zufrieden: «Man kann nur einverstanden sein mit dem Urteil, das auf den im Gericht vorgebrachten Beweisen beruht, sonst gibt es ja nichts anderes», erklärte Merediths Mutter Arline Kercher am Samstag in Perugia. Der Bruder des Opfers, Lyle Kercher, betonte jedoch, dass es für sie «kein Moment zum Feiern» sei. «Es fühlt sich so an, als ob unsere Leben immer noch auf Eis liegen», brachte Merediths Schwester Stephanie ihre Gefühle auf den Punkt.

«Wir sind extrem enttäuscht», betonten die Eltern von Amanda Knox in einer schriftlichen Erklärung. In dem Verfahren sei nicht geklärt worden, warum es keinen Beweis dafür gebe, dass Amanda in dem Zimmer war, in dem Meredith so tragisch und grausam ermordet wurde. Die Angriffe seitens der Medien auf Amandas Charakter hätten ganz offensichtlich die Geschworenen beeinflusst, hieß es weiter.

«Dies ist nicht einfach nur eine Verurteilung, sondern die schmerzhafte Verfehlung des notwendigen Freispruchs, der kommen wird», kommentierte die Verteidigerin Raffaeles, Giulia Bongiorno, nach dem Urteil. Auch für den Anwalt der jungen Amerikanerin, Luciano Ghirga, gibt es «weiten Spielraum für einen Berufungsprozess».

Kriminalität / Prozesse / Italien
05.12.2009 · 16:57 Uhr
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