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Schuldenkrise auch in Spanien befürchtet

Madrid (dpa) - Nach der Einigung der Euro-Finanzminister auf ein milliardenschweres Griechenland-Paket wachsen in der Finanzwelt die Befürchtungen, die Schuldenkrise könnte auf Spanien übergreifen.

«Wenn Spanien keine drastischen Maßnahmen ergreift, läuft es Gefahr, in dieselbe Falle zu gehen wie Griechenland», betonte die «New York Times» am Dienstag. «Es könnte sich in einer Lage befinden, in der es unmöglich wird, auf den Geldmärkten Kredite zu akzeptablen Zinsraten aufzunehmen.»

An der Madrider Börse sank der Aktienindex Ibex 35 am Dienstag bis zum Nachmittag um 3,3 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand des Jahres. Unter den Anlegern breiteten sich zunehmend Zweifel aus, ob der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero das wachsende Haushaltsdefizit in den Griff bekommen kann. Die spanische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in der Rezession. Die Arbeitslosenquote stieg auf ein Rekordniveau von über 20 Prozent.

Spanien muss trotz seiner eigenen Verschuldung eine Summe von 9,8 Milliarden Euro für das Griechenland-Paket aufbringen. «Die Investoren befürchten, dass die Schuldenkrise auch andere schwächere Länder der Eurozone wie Portugal oder Spanien infizieren könnte», schrieb die «Financial Times». «Einige warnen gar davor, dass es für diese Staaten möglicherweise auch Rettungspakete geben müsse.»

Die italienische Zeitung «Corriere della Sera» ergänzte: «Aus dem Magier Zapatero ist ein Improvisateur geworden. Spanien glaubt nicht mehr an seinen Kapitän.» König Juan Carlos rief die Spanier zur Einigkeit auf. «Wenn alle gemeinsam daran arbeiten, die Krise zu überwinden, können wir die Dynamik von Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand zurückerlangen», sagte der Monarch in der nordspanischen Stadt León.

Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero wies Spekulationen über eine drohende Finanzkrise in Spanien vehement zurück. «Jede Spekulation über die Eurozone ist völlig unbegründet und unverantwortlich», sagte Zapatero am Dienstag in Brüssel vor Journalisten. Zu Gerüchten, Spanien werde in Kürze um Finanzhilfe der Euroländer bitten, sagte er: «Das würde ich nicht glauben. Das ist völliger Wahnsinn.»

«Glücklicherweise haben alle Länder (der Eurozone) die Kraft, aus der Finanzkrise herauszukommen, die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren und zur Stabilität zurückzukehren.» In Kürze lägen die aktuellen Wirtschaftsdaten für die Länder der Eurozone vor. «Man hat vorhergesagt, dass es in Spanien im ersten Quartal kein Wachstum geben werde. Wir werden ja sehen, ob das stimmt», sagte Zapatero lächelnd. Es gebe «überhaupt keinen Grund» zu Spekulationen über eine Krise in Spanien.

EU / Finanzen / Griechenland / Spanien
04.05.2010 · 22:45 Uhr
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