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Schüsse gegen Demonstranten in Syrien

Unrest in DaraaGroßansicht

Damaskus/Kairo (dpa) - Mit Gewalt und ohne Gnade geht die syrische Führung gegen die Regimegegner in der Stadt Daraa vor.

Ein Bewohner der Stadt, der am Abend nach Damaskus geflohen war, sagte der Nachrichtenagentur dpa, Polizisten in Zivil und Soldaten der 4. Division der Armee hätten am Mittwoch das Feuer auf eine Gruppe von mehreren Tausend Zivilisten eröffnet, die aus den nördlich von Daraa gelegenen Dörfern gekommen seien, um die Blockade der Stadt durch die Sicherheitskräfte zu beenden. Nach diesen Angaben wurden Dutzende von Menschen getötet. Von offizieller Seite gab es für diese Information keine Bestätigung. Der Augenzeuge sagte, die Familien von 22 Getöteten hätten die Leichen ihrer Angehörigen in einem Krankenhaus in Damaskus abholen können. Weitere Opfer würden noch vermisst.

Oppositionelle hatten zuvor berichtet, Angehörige der Sicherheitskräfte hätten in der Nacht die Al-Omari-Moschee in der Stadt Daraa gestürmt und 17 Demonstranten erschossen. Dutzende Menschen seien verletzt worden. «Das Regime hat hier ein Massaker an der Bevölkerung verübt», sagte ein Augenzeuge.

Bei der Beerdigung der getöteten Demonstranten riefen einige Trauergäste: «Nein zu Iran, nein zur Hisbollah». Der Iran und die libanesische Schiiten-Bewegung Hisbollah im Libanon sind die engsten Verbündeten des syrischen Präsident Baschar al-Assad.

Die syrische Regierung, die in den vergangenen Tagen mehrfach versucht hatte, lokale Journalisten einzuschüchtern, stellte die Ereignisse ganz anders dar. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, eine «bewaffnete Bande» habe in der Moschee Waffen und Munition gelagert. Sie habe in Daraa auf einen Krankenwagen geschossen und einen Arzt, einen Sanitäter sowie den Fahrer getötet. Daraufhin seien die Sicherheitskräfte eingeschritten. Sie hätten mehrere der Angreifer verletzt und einige von ihnen festgenommen. Auch ein Sicherheitsbeamter sei während des Gefechts ums Leben gekommen.

Die Opposition erklärte dagegen, Angehörige einer Spezialeinheit hätten das Feuer auf eine Gruppe von rund 300 Menschen eröffnet, die sich in und um die Al-Omari-Moschee versammelt hatten. Auf einem Video, das von Aktivisten im Internet veröffentlicht wurde, ist zu erkennen, dass die Demonstranten mit Tränengas attackiert werden. Außerdem sind Schüsse aus automatischen Waffen zu hören und die Rufe einiger Demonstranten: «Ihr seid unsere Brüder, wie kann man denn seine Brüder töten.»

Ein Prediger der Moschee sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, die Staatsmacht gehe weiter mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Auch bei der Beerdigung der Opfer am Mittwoch seien Schüsse gefallen.

Die südlich von Damaskus gelegene Stadt Daraa war bereits in den vergangenen Tagen das Zentrum der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad gewesen. Schon kurz nach Beginn der Proteste vor gut einer Woche waren dort fünf Demonstranten erschossen worden, was zu einer Eskalation der Lage führte. Die Demonstranten fordern demokratische Reformen, Wahrung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Die Staatsmacht reagierte auf die Proteste mit einer Welle von Verhaftungen. Die Europäische Union kritisierte das Vorgehen der syrischen Behörden.

Aus Oppositionskreisen hieß es, auch in der Stadt Aleppo sei es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei habe die Polizei Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Die Oppositionellen betonten in ihren Erklärungen, Araber, Kurden, Christen und die Angehörigen der verschiedenen islamischen Religionsgemeinschaften müssten gemeinsam für Reformen kämpfen. Die Familie Assad gehört zur Minderheit der Alawiten. Die meisten syrischen Muslime sind Sunniten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Führung in Damaskus auf, sich jeglicher Gewalt zu enthalten. In einer Erklärung, die sein Sprecher Martin Nesirky in New York verlas, forderte Ban eine «transparente Untersuchung» der Todesschüsse auf friedliche Demonstranten.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den syrischen Staatschef nach eigenen Angaben bereits vor einiger Zeit gewarnt, dass auch in Syrien ein Konflikt mit Regierungsgegnern drohe. In einem Interview der Zeitung «Hürriyet» sagte er: «Wir besprachen, dass so ein Prozess auch in Syrien beginnen könne und dass es besonders gefährlich ist, wenn es einen konfessionellen Ansatzpunkt gibt.» Er habe deshalb Assad geraten, demokratische Reformen anzugehen und aus der Situation in anderen arabischen Staaten zu lernen.

Unruhen / Syrien
23.03.2011 · 21:45 Uhr
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