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Schülerin nach Amoklauf in Lebensgefahr

Polizisten betreten das Gelände des Carolinum-Gymnasiums in Ansbach (Mittelfranken) .Großansicht
Ansbach (dpa) - Nach dem Amoklauf mit zehn Verletzten an einer Schule im mittelfränkischen Ansbach will die Polizei am Freitag Eltern, Mitschüler und Lehrer des 18 Jahre alten Täters vernehmen.

Sollte der Abiturient gesundheitlich dazu in der Lage sein, werde auch er zu den Motiven und Hintergründen seiner Tat befragt, sagte ein Polizeisprecher. Beamte hatten den Schüler am Donnerstag mit fünf Schüssen gestoppt, nachdem er eine Elftklässlerin lebensgefährlich mit einer Axt verletzt und zwei Molotow-Cocktails in Klassenräume geworfen hatte. Dabei erlitt eine Neuntklässlerin schwere Brandwunden, sechs weitere Schüler und ein Lehrer wurden leicht verletzt.

Die Sicherheitsmaßnahmen an der Schule dürften in der Diskussion stehen. Schüler hatten kritisiert, dass zwar ein Feueralarm zu hören gewesen sei, sie aber nicht über einen Amoklauf informiert wurden. «Nicht auszudenken ist, wenn Lehrer und Schüler die Klassenzimmer verlassen und dem Amokläufer ins Schussfeld geraten», teilte die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Helga Schmitt- Bussinger, mit. Ob im konkreten Fall richtig gehandelt worden sei, müsse anhand des Notfallplans der Schule überprüft werden.

Zu der Frage, wie solche Gewalttaten künftig zu verhindern seien, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Fernsehsender Phoenix: «Wir brauchen starke Elternhäuser, wir müssen Familien in ihrer Erziehungskompetenz stärken.» Wo Familien versagten, müssten staatliche Angebote wie Ganztagsschulen helfen. Generell müsse es zudem darum gehen, Gewalt im Alltag wieder zu tabuisieren, sagte Hermann. «Wir finden uns insgesamt in unserer Gesellschaft viel zu sehr mit Gewalt in den verschiedensten Alltagssituationen ab.»

Der in Ansbach lebende Schüler war am Donnerstagmorgen mit einer Axt, Messern und drei Molotow-Cocktails in das traditionsreiche Gymnasium Carolinum gestürmt. Jeweils einen Brandsatz warf der 18- Jährige in eine 9. und eine 11. Klasse im dritten Stock. Elf Minuten nach dem ersten Notruf überwältigten ihn Polizisten, nachdem sie ihn mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole getroffen hatten. Der Zustand des Täters galt zunächst als kritisch.

Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den 18-Jährigen, dessen Motiv zunächst völlig unklar blieb. Der junge Mann war noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten. Erst am Dienstag hatte in Bayern das neue Schuljahr begonnen.

Kriminalität / Schulen
18.09.2009 · 07:32 Uhr
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