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Schüler und Studenten starten «Bildungsstreik»

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Berlin (dpa) - Mit Vorlesungsboykotts, alternativen Vorlesungen und symbolischen Institutsbesetzungen hat am Montag in mehreren Bundesländern eine Protestwoche von Studenten- und Schülergruppen begonnen.

Unter dem Motto «Bildungsstreik 2009» forderten die Initiativen mehr Geld für Hochschulen und Schulen, deutliche Änderungen bei den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen und die Abschaffung von Studiengebühren. Der Präsident der FU Berlin, Dieter Lenzen, äußerte Verständnis für die Proteste und gab den Studierenden für die zentrale Kundgebung am Mittwoch streikfrei. Durch das Fehlen bei Lehrveranstaltungen sollte ihnen «kein Nachteil erwachsen».

Institutsbesetzungen wurden unter anderem aus Heidelberg, Berlin und Hamburg gemeldet. In Wuppertal und Bochum wurden Seminare blockiert. Protestcamps seien in München, Trier, Flensburg, Münster, Saarbrücken, Marburg, Würzburg, Freiburg und Bielefeld eröffnet worden, teilte das Aktionsbündnis in Berlin mit. Zu den Organisatoren zählen auch mehrere linke Gruppierungen. Schüler forderten in mehreren Aufrufen die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Am Mittwoch sollen den Angaben zufolge in 70 Hochschulstädten Kundgebungen und Demonstrationen stattfinden.

In Mainz begann die «Bildungsstreikwoche» mit einem Bandkonzert. In Potsdam hatten viele Dozenten ihre Seminare vor die Universität verlegt. In Düsseldorf veranstaltete ein Dutzend Schüler eine Sitzblockade vor der Staatskanzlei. Studentensprecherin Christina Schmidt wies Befürchtungen zurück, dass es bei den Protesten zu Krawallen kommen werde. «Wir wollen Inhalte vermitteln, das ist unser Ziel.»

Der bildungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stefan Müller (CSU), kritisierte die Aktionen scharf. Mit Musikfestivals, Partys und vorgetäuschten Banküberfällen wollten linke Gruppen und Gewerkschaften Studierende und Schüler zu «Bildungsstreiks» anlocken und sie damit von ihrer Ausbildung abhalten. Im Sommer seien Parks irgendwie tausendmal attraktiver als Schulen. Darum setze man sich lieber in den Park, schreibt Müller in einer Erklärung. Auch der Deutsche Philologenverband sowie der konservative Deutsche Lehrerverband distanzierten sich von den Aktionen.

FU Präsident Lenzen zeigte dagegen Verständnis für die Proteste der Studenten. In einem Rundbrief bat er die Professoren seiner Hochschule um Nachsicht, wenn Studierende am Mittwoch nicht an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Sie sollten «für diesen Tag geeignete Formen finden, die den Studienerfolg gleichwohl sicherstellen». Es gehe darum, «auf die Probleme im deutschen Bildungswesen, auf strukturelle Defizite und auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Finanzierung aufmerksam zu machen».

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Aktionen. «Es ist höchste Zeit für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik», sagte GEW-Chef Ulrich Thöne. Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen seien chronisch unterfinanziert. Junge Menschen würden durch Chancenungleichheit sowie fehlende Ausbildungs- und Studienplätze ihrer Zukunftschancen beraubt.

www.bildungsstreik2009.de

Bildung
15.06.2009 · 17:13 Uhr
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