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Schock nach Anschlag auf US-Politikerin: Sechs Tote

Mordanschlag auf US-AbgeordneteGroßansicht

Washington (dpa) - Entsetzen in den USA: Mit einem gezielten Kopfschuss hat ein offensichtlich verwirrter Attentäter in Arizona eine Kongressabgeordnete schwer verletzt.

Der 22-Jährige feuerte mit seiner halbautomatischen Pistole auch auf weitere Menschen - sechs starben, darunter ein neunjähriges Mädchen, ein hochrangiger Bundesrichter und ein Pastor. Insgesamt 14 Menschen wurden nach offiziellen Angaben vom Sonntag im Kugelhagel teils schwer verletzt. Präsident Barack Obama reagierte erschüttert.

Der Anschlag am Samstag vor einem Einkaufszentrum in Tucson galt laut Polizei eindeutig der demokratischen Abgeordneten Gabrielle Giffords. Die 40-Jährige hatte das Gesundheitsreformgesetz von Präsident Barack Obama vehement unterstützt und war von radikalkonservativen Gegnern ins Visier genommen worden. So wurden vor einiger Zeit die Fensterscheiben ihres Büros in Arizona zerschmettert.

Der zuständige Bezirkssheriff Clarence Dupnik machte bereits offen das überhitzte politische Klima im Land und insbesondere in Arizona, dem Ziel vieler illegaler Zuwanderer aus Mexiko, für die Bluttat mitverantwortlich. Auch US-Medien warfen die Frage auf, ob und in welchem Maße die hitzige Ausländerdebatte in dem Staat und die zunehmend vergiftete Atmosphäre insgesamt zum Blutbad beitrugen.

Am Tag nach dem Anschlag zeigten sich die behandelnden Ärzte «vorsichtig optimistisch» über den Gesundheitszustand der Politikerin. Sie sei ansprechbar gewesen und befinde sich nun in einem künstlichen Koma, sagten die Ärzte Michael Lemole und Peter Rhee vom Traumazentrum des Universitätsklinikums in Tucson (Arizona). Die Abgeordnete sei in der Lage, «einfache Kommandos» zu befolgen. Das zeige «ein hohes Maß an Gehirnfunktion».

Der als Jared Lee Loughner identifizierte Schütze sitzt in Untersuchungshaft. Noch am Sonntag sollten erste Anklagen gegen ihn erhoben werden, wie der Direktor der Bundespolizei FBI, Robert Mueller, in Tucson mitteilte. Dabei ist es anscheinend drei Passanten zu verdanken, dass das Blutvergießen nicht noch schlimmer ausfiel. Eine selbst von einer Kugel getroffene Frau hatte dem Täter mutig das Waffen-Magazin entrissen, als er es wechseln wollte, wie Sheriff Dupnik schilderte. Wenig später wurde der Schütze dann von zwei männlichen Passanten überwältigt.

Seine Motive blieben zunächst unklar. Bizarre Erklärungen und Videos des jungen Mannes im Internet deuten jedoch auf einen wirren politischen Hintergrund hin.

Die Polizei suchte am Sonntag zwar noch nach einem Mann, der am Tatort in der Nähe des Schützen gesehen worden war. Sie glaubt Dupnik zufolge aber immer weniger daran, dass er etwas mit dem Blutbad zu tun hatte.

Präsident Obama äußerte sich erschüttert und sprach von einer «unsagbaren Tragödie». Gewalt dürfe keinen Platz in der Politik haben. Ähnlich äußerten sich auch der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner. Sheriff Dupnik legte die Finger in die Wunde: Eine aufgeheizte Stimmung wie die in Arizona könne psychisch labile Menschen beeinflussen. «Wir sind zu einem Mekka des Hasses und der Vorurteile geworden», sagte er. Das Abgeordnetenhaus in Washington sagte alle Sitzungen in der nächsten Woche ab.

Das Verbrechen ereignete sich am Samstagvormittag, als Giffords Wähler vor einem Supermarkt traf. Es kam zu chaotischen Szenen und widersprüchlichen Meldungen: So hieß es zunächst, auch Giffords sei ums Leben gekommen. Augenzeugen sprachen von einer «Hölle». Es seien zwischen 15 und 20 Schüsse abgefeuert worden. Der Täter habe die Abgeordnete aus nächster Nähe in den Kopf geschossen.

Medienberichten zufolge wetterte der Täter im Internet gegen die Regierung. In sozialen Netzwerken warf er der Politik «Gehirnwäsche» vor, beklagte sich über eine hohe Zahl von Analphabeten und forderte eine neue US-Währung. Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels zählte er ebenso zu seiner Lieblingslektüre wie Hitlers «Mein Kampf».

Giffords ist seit 2007 Kongressabgeordnete. Sie gilt als moderate, aber kämpferische Demokratin, die nicht immer auf Parteilinie liegt. So trat sie etwa im Widerspruch zu vielen Parteifreunden seit langem für das Recht auf Schusswaffen ein. Vor allem ihr entschiedenes Eintreten für die Gesundheitsreform machte sie zur Zielscheibe der fundamentalistischen Tea-Party-Bewegung und anderer Radikalkonservativer. Im Kongresswahlkampf 2010 gehörte ihr Wahlkreis zu jenen, die auf der Webseite der Exgouverneurin von Alaska, Sarah Palin, mit einem Fadenkreuz versehen waren.

Palin sprach der Familie von Giffords und den Angehörigen der Opfer kurz nach dem Blutbad ihre Anteilnahme aus. Sie und ihre Familie beteten für die Opfer «und für Frieden und Gerechtigkeit».

Kongress / Kriminalität / USA
09.01.2011 · 20:38 Uhr
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