News
 

Schock bei Walfangtagung: Konferenzchef bestochen?

WalfangGroßansicht
Agadir/Hamburg (dpa) - Die Internationale Walfangtagung hat am Montag mit einem Schock begonnen: Der Verhandlungsführer soll von der Walfangnation Japan bestochen worden sein.

Die teilnehmenden Länder waren unterdessen völlig entzweit über das vor zwei Monaten vorgelegte Kompromisspapier, das zu einer Einigung beim Walfang führen soll. Die 88 Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) debattieren im marokkanischen Agadir bis Freitag vor allem darüber, ob der kommerzielle Walfang nach rund 25 Jahren wieder in engen Grenzen erlaubt wird.

Der bisherige IWC-Vorsitzende war angeblich aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Marokko gekommen. Sein Vertreter ist Anthony Liverpool, der Botschafter des Staates Antigua und Barbuda in Japan. Nach Recherchen der britischen Zeitung «Sunday Times» hat Japan ihm die Reise und das Luxushotel in Agadir spendiert.

Eine japanische Firma mit Sitz in den USA habe sowohl die Hotelrechnung von 4000 Pfund (4800 Euro) als auch seine Flüge bezahlt, berichtete die Zeitung. Auch die Hotelrechnungen von fünf anderen Delegierten sollen beglichen worden sein.

Liverpool sagte der Zeitung zunächst, es stimme, dass für sein Hotel gezahlt worden sei. Nachdem der Reporter ihm allerdings eine Passage aus der IWC-Konvention vorgelesen hatte, der zufolge die Regierungen die Kosten der Anreise ihrer Delegierten zahlen müssen, habe er seine Aussage geändert. Seine eigene Regierung habe ihn «in bedeutendem Umfang» unterstützt, sagte er der Zeitung.

«Wenn die IWC-Staaten diesen Vorsitzenden weiter dulden, dann dulden sie eine korrupte Walfangkommission. Die IWC verliert damit ihre Glaubwürdigkeit», sagte Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife in Agadir.

«In den letzten 20 Jahren zahlte Japan Milliarden Dollar an Staaten der Karibik, des Pazifiks und Afrikas, die seither der IWC beitraten und Japans Walfanginteressen unterstützen», ergänzte Altherr. «Ich selbst habe auf IWC-Tagungen schon Delegierte aus Karibikstaaten gesehen, die erst ihre online-Kontoauszüge prüften, bevor sie ihre Wortmeldungen im Sinne Japans machten.»

Besonders empört waren die Tierschützer zudem darüber, dass die Delegierten in Agadir zunächst zwei Tage hinter verschlossenen Türen tagen. «Die Kommission sticht als undemokratisches Gremium heraus», sagte Nicolas Entrup von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS.

Das in Agadir vorliegende Kompromisspapier würde Japan, Island und Norwegen die Waljagd für zehn Jahre erlauben. Die Quoten sollen jedoch geringer werden als die rechtlich umstrittenen Fänge von derzeit insgesamt rund 1500 Großwalen pro Jahr. Weitere Nationen dürfen nach dem Papier keine Wale kommerziell fangen.

Island besteht zudem darauf, mit Walprodukten handeln zu können, was laut Kompromisspapier streng verboten sein soll. «Island möchte der EU beitreten. Sie muss Island zur Räson bringen», forderte Entrup.

Am Sonntag sollte eigentlich ein überarbeitetes Kompromisspapier vorgelegt werden. Nach Ansicht des deutschen Delegationsleiters Gert Lindemann wird es aber wahrscheinlich vor Mittwoch keinen neuen Entwurf geben. Deutschland bleibe bei seiner Position, den Walfang so schnell wie möglich in Schutzgebieten zu untersagen und später auch jeglichen kommerzielle Jagd auf die Meeressäuger.

Die Umweltstiftung WWF wandte sich scharf gegen den kommerziellen Walfang und die im IWC-Kompromisspapier ebenfalls erlaubte Jagd im antarktischen Schutzgebiet. «In diesem Jahr besteht die Chance, die Blockade zwischen Walfang- und Walschutzstaaten innerhalb der Walfangkommission aufzulösen. Grünes Licht für Walfang im Südpolarmeer und auf bedrohte Arten wäre jedoch ein großer Rückschritt für den Walschutz», sagte WWF Artenschutzexperte Volker Homes.

Website der Internationalen Walfangkommission (IWC)

IWC-Konferenz in Agadir

IWC-Kompromisspapier

IWC-Pressemitteilungen zum Papier

Umwelt / Wale
21.06.2010 · 19:52 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
24.01.2017(Heute)
23.01.2017(Gestern)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen