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Schnellzug entgleist nach Blitzschlag: Mehr als 40 Tote

Am UnglücksortGroßansicht

Peking (dpa) - Ein Stromausfall nach einem Blitzschlag hat am Wochenende in China zum Zusammenstoß zweier Schnellzüge geführt, mindestens 43 Menschen starben. Es war der bislang größte Rückschlag für Chinas ehrgeizige Pläne zum Ausbau seines Hochgeschwindigkeitsnetzes.

Bei dem Unfall im Osten des Landes entgleisten am Samstag sechs Waggons mit rund 600 Passagieren, zwei stürzten an die 30 Meter tief von einer Brücke. Ein Waggon blieb senkrecht hängen. Unter den Toten waren auch zwei Ausländer, ihre Nationalität wurde zunächst nicht bekannt.

Nach dem Blitzschlag soll der Zug nicht mehr zu steuern gewesen und an der Brücke zum Halten gekommen sein. Der folgende Hochgeschwindigkeitszug habe zwar noch eine Notbremsung versucht, sei aber aufgefahren. Wie Xinhua berichtete, wurde in der Gegenrichtung ein anderer Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke ebenfalls vom Blitz getroffen und musste anhalten.

Das Unglück fachte die Diskussion über eventuelle Sicherheitsmängel des massiv ausgebauten Hochgeschwindigkeitsnetzes an. Es war wegen technischer Probleme, Verspätungen und Korruption ins Gerede gekommen. Zunächst gab es nun personelle Konsequenzen: Der Chef des für den Unglückszug zuständigen Eisenbahnbüros in Shanghai und sein Vertreter sowie der Vorsitzende des Parteikomitees der Behörde verloren am Sonntag ihre Ämter. Gegen sie werde ermittelt, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua, ohne die konkreten Vorwürfe zu nennen.

Der Unfall geschah nahe der Stadt Shuangyu (Provinz Zhejiang) auf der Strecke von Hangzhou nach Fuzhou in Südostchina. «Unser Zug stoppte mehr als 20 Minuten. Die Zugbegleiter sagten, es sei wegen eines Blitzeinschlags», berichtete eine Frau laut Xinhua. «Kurz nachdem der Zug langsam wieder angefahren war, spürte ich einen schweren Schlag und der Strom war weg.» In der Dunkelheit habe sie ihre leicht verletzte Tochter unter einem Sitz gefunden.

Rund 600 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um Opfer zu bergen. Die Rettungstrupps mussten Schneidegeräte und Kräne einsetzen. Viele Passagiere seien unter Sitzen oder Koffern eingeklemmt gewesen. «Wir waren mehr als eine Stunde in dem Wagen eingeschlossen, bis fünf von uns ein Fenster aufbrechen und herausklettern konnten», sagte ein Verletzter laut Xinhua. Sie hätten auch einen alten Mann aus dem Zug gezogen, der aber eine halbe Stunde später gestorben sei. Wegen der hohen Zahl der Verletzten riefen Krankenhäuser im nahe gelegenen Wenzhou zu Blutspenden auf.

Nach dem tödlichen Unglück äußerten viele Chinesen in Blogs und Internetforen ihre Sorge über die Sicherheit des Hochgeschwindigkeitsnetzes in China. Mit 8000 Kilometern ist es schon heute das größte der Welt. Es soll bis 2015 auf 16 000 Kilometer verdoppelt werden. Das ambitionierte Programm, das viele Milliarden verschlingt, war schon vorher in die Kritik geraten.

Besonders die im Juni eröffnete, 1300 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Shanghai machte wegen technischer Probleme und auch Stromausfällen nach Blitzschlägen von sich reden. Reisende mussten erhebliche Verspätungen in Kauf nehmen oder Züge wechseln. Vor gut einer Woche musste sich ein Sprecher des Eisenbahnministeriums für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.

Hintergrund der Debatte ist auch der Korruptionsskandal um Eisenbahnminister Liu Zhijun, der im Februar abgesetzt worden war. Bei der Auftragsvergabe für das Bahnnetz sollen der Minister und leitende Beamte mitkassiert haben. Wegen der Anlaufprobleme und der hohen Fahrpreise sind viele enttäuschte Passagiere wieder auf Flugverbindungen umgestiegen. Weil die Auslastung zwischen Peking und Shanghai zurückgeht, sollen von Montag an zunächst zwei Züge aus dem Fahrplan gestrichen werden.

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Unfälle / Bahn / China
24.07.2011 · 16:20 Uhr
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