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Schlussplädoyer im Prozess gegen Khmer-Folterchef

Kaing Guek Eav vor Gericht in Phnom Penh. Den Großansicht
Phnom Penh (dpa) - Im ersten Prozess gegen einen Funktionär des kambodschanischen Terrorregimes der Roten Khmer hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine lange Haftstrafe gefordert.

«Die Verbrechen sind so extrem und an so vielen Menschen begangen worden, dass alles andere als eine lange Haftstrafe für den Angeklagten unvorstellbar wäre», sagte Staatsanwältin Chea Leang in ihrem Schlussplädoyer. Vor Gericht steht Kaing Guek Eav, alias Duch, der als Vorsteher des berüchtigten Foltergefängnisses S-21 die Ermordung von mehr als 15 000 Menschen befehligte. Der 62-Jährige ist vor dem eigens eingerichteten Völkermord-Tribunal unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Duch sei nicht das kleine Rad im Wagen gewesen, als das er sich habe darstellen wollen, sagte Chea. Vielmehr sei der ehemalige Lehrer eine Schlüsselfigur im Geheimdienst der Roten Khmer gewesen und habe aktiv nach Feinden der Revolution gesucht. In dem Gefängnis wurden viele in Ungnade gefallene Rote Khmer-Kader gefoltert und ermordet. Sie wurden als Spitzel ausländischer Geheimdienste diffamiert.

Duch sei das Leiden der Opfer egal gewesen, sagte die Staatsanwältin. In dem Gefängnis wurden Opfer bei lebendigem Leibe ausgeblutet. Andere wurden mit Elektroschocks gequält, geschlagen oder in Bottiche mit Wasser gehängt, bis sie kurz vor dem Ertrinken waren. Fast alle Opfer wurden in einer Hinrichtungsstätte vor den Toren der Stadt («Killing Fields») ermordet. Sie mussten die Massengräber selbst ausheben und sich an deren Rand knien. Dann wurde ihnen das Genick mit Schlagstöcken gebrochen, um Munition für Gewehre zu sparen.

Duch hat seine Schuld eingeräumt. Ihm droht lebenslange Haft. Das Urteil wird erst im kommenden Jahr erwartet. Vier weitere Kader der Roten Khmer sind angeklagt und warten auf ihren Prozess. Sie wollten in Kambodscha eine kommunistische Bauerngesellschaft verwirklichen. Unter ihrer Herrschaft kamen zwischen 1975 und 1979 bis zu zwei Millionen Menschen um.

Prozesse / Geschichte / Kambodscha
24.11.2009 · 15:17 Uhr
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