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«Schickt endlich Hilfe»: Brandinferno vor Athen

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Athen (dpa) - «Schickt doch endlich Hilfe. Unsere Häuser brennen», schrie ein Einwohner des Athener Vorortes Pikermi am Sonntag verzweifelt ins Telefon. Doch wer soll wem helfen, wenn die Feuerfront mehr als 40 Kilometer lang ist?

Wenn mehr als 20 Vorstädte und Dörfer rund um Athen bedroht werden und Winde mit Böen bis zur Stärke elf die Flammen vorantreiben? Fast auf den Tag genau nach zwei Jahren erlebt Athen eine ähnliche Katastrophe wie der Westen der Halbinsel Peloponnes. Am 24. August 2007 waren nahe Olympia verheerende Waldbrände ausgebrochen, die eine Fläche zweimal so groß wie Berlin zerstörten. Im Sommer 2007 waren landesweit 77 Menschen bei Bränden ums Leben gekommen.

«Ich kann es nicht mehr sehen. Mutter Gottes hilf uns», flehte eine Frau im Dorf Agios Stefanos. Ihr Haus brannte lichterloh. Polizisten zerrten die Frau weg vom Ort des Geschehens, bevor sie hätte vom Feuer erfasst werden können. Die Flammen bahnten sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und einem furchterregendem Dröhnen und Zischen ihren Weg, zerstörten Häuser, Gärten, Wald, Autos und landwirtschaftlich genutztes Land. Unzählige Wild- und Haustiere verendeten. Dicke, rötlichbraune Rauchwolken zogen am Sonntagnachmittag am zweiten Tag in Folge über Athen. Asche ging auf die östlichen Vororte nieder. Sogar auf Südpeloponnes waren die Rauchwolken, die an einen Vulkanausbruch erinnerten, zu sehen. Dutzende Menschen wurden mit Atemwegsbeschwerden und leichten Verbrennungen in die Krankenhäuser gebracht.

Unterdessen lief die erste Hilfe aus dem benachbarten Ausland an. Vier Löschflugzeuge aus Italien und Frankreich sowie ein Hubschrauber aus Zypern sollten am Sonntagnachmittag eingesetzt werden, um die Flammen zu bekämpfen, teilte das griechische Innenministerium mit. «Wir haben Hilfe beantragt», sagte der griechische Innenminister Prokopis Pavlopoulos. Doch mit dem nächsten Satz «....es geht jetzt darum, Menschenleben zu retten» deutete er darauf hin, dass ein Ende der Brände nicht absehbar sei.

Deutlicher brachte es die Feuerwehr auf den Punkt: «Die Lage ist äußerst schwierig und der Kampf (gegen die Flammen) findet in bewohnten Regionen statt», hieß es beinahe kriegerisch im Bericht der griechischen Feuerwehr am Sonntagmittag.

Viele griechische Medien gingen unterdessen davon aus, dass die Feuerwehr dringend viel mehr Hilfe brauche. Im Sommer 2007 konnten die Flammen erst gestoppt werden, nachdem massiv Unterstützung aus dem Ausland eingetroffen war - darunter auch Hubschrauber aus Deutschland. Die Meteorologen sagten Schlimmes voraus: In den kommenden sechs Tagen soll es in Griechenland weiterhin stürmische Winde geben. «Nur Gott kann uns retten,» sagte Priester Stelios aus der Vorstadt Dionyssos der dpa. «Ich sehe hier Bilder aus der Apokalypse», fügte er hinzu.

Brände / Wetter / Griechenland
23.08.2009 · 15:04 Uhr
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