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Schicksale aus der Unglücksmaschine

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Hamburg (dpa) - Ein abgelaufener Reisepass, ein tragischer Betriebsausflug und eine Mutter und Sohn einer Familie, die sich aus Angst vor einem Absturz auf zwei Flugzeuge verteilt hatte: Hinter den 216 Namen auf der Passagierliste der abgestürzten Air-France-Maschine AF447 liegen Einzelschicksale, die berühren.

Familien stürzten zusammen in den Tod, andere wurden auseinandergerissen. Doch es gibt auch Glückspilze: Menschen, die den Unglücksflug verpassten.

«Gestatten Sie mir eine persönliche Bemerkung», bat «Tagesthemen»- Korrespondent Thomas Aders am Montagabend sichtlich bewegt und erzählte von einer Familie aus Fellbach bei Stuttgart, deren zwei Jahre altes Kind das das jüngste Kind an Bord war. «Ich kannte die Frau und ich kenne auch den Mann, der jetzt vermutlich allein in Fellbach sitzt, in der dunkelsten Stunde seines Lebens», sagte Aders. «Wir trauern und weinen mit ihm.»

Für eine schwedische Familie wurde durch das Unglück die schlimmste Befürchtung wahr: Aus Angst vor einem Absturz hatten sie ihren Flug in die Ferien in zwei verschiedenen Flugzeugen gebucht, wie die Zeitung «Aftenposten» berichtet. Die Mutter und ihr fünfjähriger Sohn saßen in der Unglücksmaschine. Vater und Tochter dagegen erreichten Paris unbeschadet und warteten am Flughafen vergeblich.

Weil er für seine Hochzeit in Brasilien noch wichtige Dokumente aus der deutschen Heimat beschaffen wollte, stürzte ein 44-jähriger Deutscher laut «Aftenposten» in den Tod. Auch Prinz Pedro Luis de Orleans e Bragança, ein Mitglied des brasilianischen Königshauses, saß in der AF447. Der 26-Jährige ist ein direkter Nachkomme des letzten brasilianischen Kaisers, Dom Pedro II, und steht in der Thronfolge an vierter Stelle.

Für ihn, genau wie für einen Top-Manager des deutschen ThyssenKrupp-Konzerns, die Teilnehmer eines Betriebsausflugs, eine Stuttgarter Musicalsängerin, eine brasilianische Goethe-Forscherin und den ehemaligen Dirigenten des Symphonieorchesters Rio dürfte nach dem Absturz jede Hilfe zu spät kommen.

Zwei jungen Männern dagegen hat ihre Unaufmerksamkeit wohl das Leben gerettet. Laut der brasilianischen Zeitung «O Globo Online» durfte ein 37 Jahre alter Brasilianer nicht an Bord, da sein Reisepass seit zwei Monaten abgelaufen war. Sein amerikanischer Freund blieb daraufhin ebenfalls am Boden. Einem italienischen Ingenieur kamen Probleme auf der Arbeit dazwischen. Der 54-Jährige schaffte es nicht rechtzeitig zum Einchecken. «Sag den Kindern, dass es mir gut geht», meldete er sich später bei seiner Frau.

Erleichtert zeigte sich auch ein französisches Paar, das kurz vor Abflug noch «Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt» hatte, um zwei Plätze in der Maschine zu bekommen. Doch Air France habe mitgeteilt, das Flugzeug sei voll, sagten sie dem französischen Sender «i-tele». «Wir hatten unglaubliches Glück.» Richtig freuen aber konnte sich wohl keiner der «Überlebenden»: «Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Maschine und bei ihren Angehörigen.»

Luftverkehr / Unfälle / Frankreich
03.06.2009 · 22:32 Uhr
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