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Schere zwischen Arm und Reich - Berlin Schlusslicht

Wenn das Geld nicht mehr zum Essen reicht: In der Frankfurter St. Katharinenkirche kommen täglich bis zu 300 Gäste zur Winterspeisung.Großansicht
Berlin (dpa) - In Berlin ist das Armutsrisiko so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. Wer in Bayern und Baden-Württemberg lebt, ist laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung am besten vor Armut geschützt.

Eine weitere Analyse der DIW-Wirtschaftsforscher zeigt, dass zwar jeder Erwachsene im Schnitt über ein Vermögen von 150 000 Euro inklusive Rente verfügt. Der Reichtum ist aber ungleich verteilt. Mehr als jeder vierte Deutsche hat gar nichts auf der hohen Kante. Nach EU-Zahlen waren 2008 rund 15 Prozent der Deutschen von Armut bedroht, weil ihr Haushaltseinkommen unter 10 600 Euro lag.

Deutschland liegt im Kampf gegen die Armut europaweit nur im Mittelfeld - auf Platz 12 der 27 EU-Staaten. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat kann sich ein Viertel der Bundesbürger keinen Urlaub leisten. Fast jeder zehnte Bürger hat kein Geld, um regelmäßig Fisch oder Fleisch zu essen. Und jeder zwanzigste Deutsche kann seine Wohnung nicht ausreichend heizen oder sich ein eigenes Auto kaufen.

Die Bertelsmann-Stiftung bewertete das soziale Gefälle in den Bundesländern zwischen 2006 und 2008. In Berlin waren von 1000 Einwohnern knapp 200 auf staatliche Hilfe angewiesen. In Bayern und Baden-Württemberg waren es im Schnitt nur etwas mehr als 50 Bürger. Im unteren Drittel liegen Sachsen-Anhalt, Bremen und Mecklenburg- Vorpommern, teilte die Stiftung am Montag in Gütersloh mit.

Alleinerziehende in Armutsfalle

Der große Unterschied zwischen Ost und West wird auf den höheren Anteil junger Alleinerziehender zurückgeführt. Im Osten müssen 35 Prozent der Eltern unter 20 Jahren ihre Kinder ohne Partner aufziehen. In den westdeutschen Flächenländern schwankt der Anteil zwischen 16,6 Prozent in Baden-Württemberg und 22,3 Prozent im Saarland.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) untersuchte im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstmals, wie sich die Renten und Pensionen auf das Vermögen der Deutschen auswirken. Ein Erwachsener besitzt danach neben Geld und Sachvermögen von 88 000 Euro im Durchschnitt rund 67 000 Euro an Pensions- und Rentenansprüchen.

Nach Berufen liegen Beamte an der Spitze. Im Pensionsalter verfügen sie laut Studie über ein Vermögen inklusive Altersvorsorge von rund 502 000 Euro. Durchschnittsrentner können rund 233 000 Euro verbuchen. Ein ungelernter Arbeiter kommt auf 74 000 Euro, ein Handwerksmeister auf 130 000 Euro, ein Selbstständiger auf 220 000 Euro. Dagegen bringt es ein Arbeitsloser nur auf 56 000 Euro. Insgesamt summieren sich die Renten- und Pensionsansprüche der Deutschen auf 4,6 Billionen Euro.

Reicher Westen, armer Osten

Die Vermögensunterschiede zwischen Ost und West sind gewaltig. In Westdeutschland hat ein Bürger mit Altersvorsorge im Schnitt 350 000 Euro, im Osten 190 000 Euro. «Der stärkere Effekt in Westdeutschland geht vor allem auf Betriebsrenten und Beamtenpensionen zurück, die in Ostdeutschland nur wenig verbreitet sind», heißt es beim DIW.

Gewarnt wird, dass mehr Menschen wegen Arbeitslosigkeit und reduzierter Sozialleistungen im Alter verarmen. «Zusätzliche private Altersvorsorge wird nach den Reformen bei der Alterssicherung immer wichtiger», sagte DIW-Experte Markus Grabka. Dafür hätten Geringverdiener aber meist kein Geld übrig.

Auch Langzeitarbeitslose könnten so gut wie kein Vermögen für das Alter aufbauen. «Dies gilt besonders für Ostdeutschland, denn hier haben wir ohnehin eine geringere Vermögensbildung als im Westen und deutlich mehr Langzeitarbeitslose.»

Die Linkspartei kritisierte: «Es darf nicht zur Normalität werden, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.» Deshalb müsse die Vermögenssteuer wieder eingeführt werden, damit wohlhabende Bürger sich stärker an der Finanzierung des Sozialstaats beteiligen müssten.

Soziales / Finanzen / Armut
18.01.2010 · 17:27 Uhr
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