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Scharmützel vor weiterem Angriff auf Slum in Rio

800 Fallschirmjäger sind bei den Razzien in Rio de Janeiro dabei.Großansicht

Rio de Janeiro (dpa) - Mit Unterstützung von 800 Fallschirmjägern hat die Polizei in Rio de Janeiro im Kampf gegen Drogenbanden ein weiteres Armenviertel abgeriegelt. In Brasiliens Millionenmetropole wurde der Angriff von Polizei und Militär auf Drogenbanden in dem Slum Alemão erwartet.

Die Soldaten und Polizisten werden immer wieder von den meist noch jugendlichen, aber schwer bewaffneten Mitgliedern der Banden aus den höher gelegenen und verwinkelten Gassen des Armenviertels unter Feuer genommen. Das Militär schießt zunächst nicht zurück, zu groß ist die Gefahr, dass die schweren Waffen auch Unbeteiligte in dem Slum töten könnten.

Fallschirmjäger hatten die Favela in der Zuckerhut-Metropole bereits am Vortag umstellt. Ein großer Teil von ihnen hat Erfahrung im Umgang mit Stadtguerilla: sie waren als UN-Blauhelmsoldaten in Haiti stationiert. Unterstützt werden sie aus der Luft von gepanzerten Kampfhubschraubern. Sie sind weniger anfällig für den Beschuss durch die Drogenbanden. Am Vortag war ein ungepanzerter Polizeihubschrauber beschossen worden, im vergangenen Jahr sogar einer abgeschossen worden.

Etwa 200 bewaffnete Mitglieder der mächtigen Drogenbande «Comando Vermelho» (Kommando Rot) hatten sich nach Alemão geflüchtet, nachdem die Sicherheitskräfte am Donnerstag unterstützt von Panzern und Hubschraubern das von der Gang beherrschte Armenviertel Vila Cruzeiro gestürmt hatten. Inzwischen sollen viele der Gangmitglieder versuchen, aus Rio ins Umland zu fliehen.

Bei dem am Montag begonnenen Einsatz der brasilianischen Sicherheitskräfte gegen die Drogenbanden kamen nach offiziellen Angaben bisher 38 Menschen ums Leben. Allerdings sind dabei nicht die Opfer berücksichtigt, die zunächst nur verletzt wurden und erst später im Krankenhaus starben. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, wurden allein im Getulio-Vargas-Krankenhaus in den vergangenen drei Tagen 33 Verletzte behandelt, von denen 6 gestorben seien. In den Medien war von 45 Toten die Rede.

Der Einsatz gegen die Rauschgiftbanden, an dem mehr als 20 000 Einsatzkräfte von Polizei und Militär beteiligt sind, ist nach Angaben der Polizei der größte in der brasilianische Geschichte. Die Aktion hatte am vergangenen Montag begonnen, nachdem die Drogenbanden mit Überfällen Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet hatten. Seither wurden etwa 100 Busse, Lastwagen und Autos in der Stadt in Brand gesetzt und knapp 200 mutmaßliche Drogenkriminelle festgenommen.

Auch mit Blick auf die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio wollen die brasilianischen Behörden die Macht der Drogenbanden in den Elendsvierteln brechen. Die Kriminellen wehren sich vor allem gegen die Einrichtung ständiger Polizeiwachen in den Slums, die ihre dortige Allmacht gefährden.

Kriminalität / Brasilien
27.11.2010 · 14:47 Uhr
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