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Schalits Heimkehr: Aus der Hölle in die Idylle

Mizpe Hila (dpa) - «Ich werde Gilad einen Käsekuchen backen, den besten der Welt», sagt die strahlende Eva Drori, Nachbarin der Familie Schalit in dem malerischen Ort Mizpe Hila. Einfamilienhäuser säumen die normalerweise ruhigen Straßen.

Sie haben hier keine Namen und die Häuser keine Nummern, so klein ist der Ort. «Schalit» steht einfach an dem schlichten weißen Häuschen mit rotem Ziegeldach. Auf dem First eine Wetterfahne und - neuerdings - eine israelische blau-weiße Flagge. Viel Grün, dahinter geht der Blick weit über die Berge Galiläas.

Diese Idylle hat Schalit 2006 mit 19 Jahren auf dem Weg zur Kaserne verlassen. Nach fast fünf Jahren in der Hölle der Geiselhaft schwebte er nun als 25-Jähriger an Bord eines Militärhubschraubers im Heimatort ein. Ausgemergelt, abgemagert, blass und mit dunklen Augenringen, aber doch scheu lächelnd, während hunderte Nachbarn, Freunde und Unterstützer den Star wider Willen mit Blumen und Jubel empfingen.

Das Haus und der Garten sind auf Vordermann gebracht, vom Ortseingang bis zum Grundstück der Schalits säumen Transparente mit Aufschriften wie: «Wie gut es ist, Dich wieder zu Hause zu haben», die Straßen. Auch die Menschen tragen Hemden mit diesem Spruch, sie singen und tanzen vor Freude. Nachbarn und Freunde, israelische Flaggen, Übertragungswagen der Fernsehsender und Polizisten. Nur die Straße der Schalits selbst ist ruhig, sie ist ganz abgesperrt.

Die Journalisten, die das Haus seit Tagen belagert und jeden interviewt hatten, der sich vor die Tür wagte, mussten auf Geheiß der Behörden abziehen. Nur noch Anwohner haben Zugang. Und die wollen Schalit mit ganz viel Freude, aber auch Rücksicht aufnehmen. «Er wird viel Licht brauchen, aber nicht das Licht der Scheinwerfer, sondern dieses dort», sagt Drori und zeigt auf die inzwischen schon etwas herbstlich-mildere, aber immer noch recht kräftige Sonne.

«Ich glaube nicht, dass er nach der Heimkehr viel sprechen wird. Er war schon vor der Entführung ein stiller Junge», erinnert sich die lebensfrohe Frau. Einer ihrer Söhne sei mit Gilad in der Schule in einer Klasse und auch zeitgleich mit ihm beim Militär gewesen. Inzwischen habe ihr Sohn den dreijährigen Militärdienst beendet und studiere schon: «Ich bin mir sicher, dass auch Gilad nun irgendwann ein Studium aufnehmen wird.» In ersten Fernsehaufnahmen sah der 25-Jährige schüchtern und angespannt aus. Aber seine Antworten im ägyptischen Fernsehen zeugten davon, dass er seine sieben Sinne noch beisammen hat.

Wie klein Israel ist, zeigt schon die Heimatregion Schalits. Mizpe Hila liegt in etwa 500 Metern Höhe, die Luft ist kühl und trocken, knorrige Olivenbäume säumen die Straßen. Nur wenige Kilometer entfernt Richtung Mittelmeer im Westen ein völlig anderes Klima: Hier, fast auf Meereshöhe, ist es viel heißer und feuchter, die Olivenbäume haben Bananenplantagen Platz gemacht. Der Libanon im Norden, der See Genezareth und die Sandstrände des Mittelmeers liegen alle nur eine knappe Autostunde von Mizpe Hila entfernt.

Die Mehrheit der Israelis ist einer Umfrage zufolge froh über die wiedergewonnene Freiheit Schalits, trotz der mehr als 1000 Palästinenser, die Israel dafür freizulassen hatte. Drori kann den Schmerz von Angehörigen von Terroropfern verstehen: «Ich denke, alle Israelis sind ärgerlich, dass wir so viele Terroristen freilassen müssen. Aber das ist ja zugleich das Wunderbare an diesem Land: Kein Preis ist zu hoch, um auch nur einen der unseren zu retten.»

Konflikte / Nahost
18.10.2011 · 21:41 Uhr
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