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Sauerland-Terroristen griffen US-Militärlager an

Prozess gegen Sauerland-GruppeGroßansicht
Düsseldorf/Frankfurt (dpa) - Zwei Terroristen der Sauerland-Gruppe haben sich nach eigener Aussage an Raketenangriffen auf US- Militärlager in Afghanistan beteiligt. Ihre Gruppe sei bis an die Zähne bewaffnet mit Jeeps von Pakistan nach Afghanistan gefahren und habe dort die US-Militärlager mit Katjuscha-Raketen beschossen.

Das sagte der Angeklagte Adem Yilmaz im Prozess gegen die Sauerland-Gruppe am Düsseldorfer Oberlandesgericht. Im zeitgleich stattfindenden Frankfurter Terroristenprozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der Islamischen Dschihad Union (IJU) gab am Dienstag auch der zweite Angeklagte umfangreiche Kontakte zu dem mutmaßlichen Sauerlandgruppen-Mitlied Adem Yilmaz zu.

In Düsseldorf sagte Adem Yilmaz, bei dem «Fronteinsatz» im Spätsommer 2006 habe jeder vier Magazine, Handgranaten, eine Kalaschnikow und ein Kampfmesser bei sich geführt. Außerdem hätten sie einen Raketenwerfer aufgebaut und beim ersten Mal das US-Lager aus etwa zehn Kilometer Entfernung mit mehreren Raketen beschossen. «Die zweite Rakete ist voll im Lager eingeschlagen. Die Amerikaner haben mit Granaten um sich geschossen. Die dachten, wir sind ganz in der Nähe», sagte Yilmaz. Er selbst habe eine Flanke gesichert und keinen einzigen Schuss abgegeben. Dass er sich der Islamischen Dschihad Union (IJU) angeschlossen hatte, habe er erst wieder zurück in Deutschland erfahren. In Pakistan sei es für ihn einfach die «usbekische Gruppe» gewesen.

Als sie erneut ein US-Lager mit Raketen angriffen, seien sie in Granatfeuer der Amerikaner geraten: «Wenn da so Granaten um einen einschlagen, ist man psychisch sehr geschafft. Das war eine brenzlige Situation. Ich hatte schon ein bischen Angst vor dem Tod. Vorher habe ich den Coolen gespielt, aber in der Situation hofft man schon, heil wieder raus zu kommen», sagte Yilmaz. Bei einer weiteren Operation hätten sie eine Mine scharf gemacht und auf eine US-Patrouille gewartet - diese sei aber nicht gekommen.

In dem Terror-Prozess sind vier Männer angeklagt. Die Islamisten sollen in Deutschland im Auftrag der IJU verheerende Anschläge mit Autobomben geplant haben. Die Spezialeinheit GSG 9 hatte die Terrorzelle im sauerländischen Oberschledorn festgenommen.

Im Frankfurter Terroristenprozess sagte der 28-jährige Türke Hüseyin Ö. vor dem Oberlandesgericht, er habe Adem Yilmaz in einer Frankfurter Moschee kennengelernt. Dieser habe ihm geholfen, Kontakte herzustellen, um in ein Ausbildungslager im pakistanisch- afghanischen Grenzgebiet zu gelangen. Hüseyin Ö. muss sich zusammen mit dem 28 Jahre alten Deutsch-Afghanen Omid S. wegen Unterstützung der IJU verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft beiden vor, für die usbekische IJU am Aufbau des europäischen Netzwerks beteiligt gewesen zu sein.

Hüseyin Ö. hatte 2007 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und einem Bekannten eine Reise in den Osten angetreten. Dabei habe Yilmaz die Fäden in der Hand gehabt. Die drei jungen Männer hätten von ihm auch Gegenstände für den Führer des terroristischen Ausbildungslagers mit auf den Weg bekommen. Angekommen ist Hüseyin Ö. dort allerdings nie: In Pakistan wurde das Trio verhaftet und ins Gefängnis gesteckt.

Prozesse / Terrorismus / Extremismus
08.09.2009 · 19:17 Uhr
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