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Sauerland-Gruppe: US-Soldaten waren «Hauptziel»

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Düsseldorf (dpa) - Der Rädelsführer der islamistischen Sauerland-Gruppe, Fritz Gelowicz, hat als erster sein Schweigen vor Gericht gebrochen und ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Er habe der Führung der Islamischen Dschihad-Union in Pakistan die Treue geschworen und sei zum «Leiter der Operation in Deutschland» bestimmt worden, sagte Gelowicz am Montag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Dort müssen er und drei Mitangeklagte sich wegen der Vorbereitung von Terroranschlägen verantworten.

«Das Hauptziel sollten amerikanische Soldaten in Deutschland sein», gestand Gelowicz. Zweitens sollte ein US-Ziel mit politischer Bedeutung wie ein Konsulat auserkoren werden. Drittens sollte laut Gelowicz eine «allerletzte Warnung an die deutsche Bevölkerung» ergehen, um den Truppenabzug aus Afghanistan und Usbekistan zu bewirken.

Die Gruppe war im September 2007 aufgeflogen. Bei den Mitgliedern wurden 730 Liter Wasserstoffperoxid sichergestellt, die nach Überzeugung der Ermittler der Grundstoff für verheerende Autobomben sein sollten.

Ursprünglich habe er im Irak in den Heiligen Krieg ziehen wollen, das sei jedoch nicht gelungen, berichtete der zum Islam konvertierte Deutsche. Bei seiner dreimonatigen Terror- und Kampf-Ausbildung in der pakistanischen Grenzregion Waziristan sei er aber davon überzeugt worden, dass es besser sei, Anschläge in Europa zu begehen. «Auch bei El Kaida gab es damals keinen Europäer, der die Möglichkeit hatte, Anschläge in Europa zu begehen. Wir haben uns bereit erklärt, weil es niemand anderen gab.»

Außerdem seien Anschläge auf US-Amerikaner im benachbarten Afghanistan «sehr schwer» gewesen. Auf einen gelungenen Anschlag kämen zehn gescheiterte. Der Chef der Gruppe, die sie ausbildete, ein gewisser «Achmed», habe argumentiert, dass ein Anschlag auf die Amerikaner im Ausland «mit viel weniger Aufwand viel größere Wirkung erzielt». Das habe ihn überzeugt, sagte Gelowicz.

Zuvor seien er und seine Komplizen über Istanbul und Teheran nach Pakistan gereist und dort von «pakistanischen Taliban» und schwer bewaffneten Mudschahedin empfangen worden. Nahe der Stadt Mil Ali seien sie in Lehmhäusern ausgebildet worden, etwa im Schießen mit einer Kalaschnikow. Dabei habe er auch schon als Test einen 100-Gramm-Sprengsatz auf Wasserstoffperoxid-Basis gezündet.

Im Grenzgebiet zu Afghanistan hätten sie dann «Präsenz gezeigt», ein Teil der Gruppe habe auch mal eine US-Basis beschossen. Es sei ihnen aber nicht gelungen, die US-Soldaten zum Verlassen der Basis zu bewegen, um sie anzugreifen. Stattdessen seien sie selbst unter Mörserbeschuss geraten.

Zurück in Deutschland hätten sie mit den Anschlagsvorbereitungen begonnen, seien aber nach ihrer Spähfahrt zur US-Kaserne in Hanau «sehr auffällig» vom Verfassungsschutz observiert worden. Ein Informant habe ihm dann berichtet, dass sowohl der türkische, als auch der amerikanische und der deutsche Geheimdienst auf die Gruppe aufmerksam geworden sei. Daraufhin hätten sie eine Pause eingelegt, bevor sie ihre Vorbereitungen fortgesetzt hätten.

Das Gericht stufte die 1200 Seiten Geständnisse, die die Angeklagten in den vergangenen Wochen in der Haft Beamten des Bundeskriminalamts zu Protokoll gaben, als glaubwürdig ein. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling zeigte sich beeindruckt vom Umfang und von der Offenheit der Aussagen. «Wir haben den Eindruck, die Karten wurden ungezinkt auf den Tisch gelegt.»

Drei der vier Angeklagten waren im sauerländischen Oberschledorn von der Polizei-Eliteeinheit GSG 9 festgenommen worden, wo sie der Anklage zufolge in einem Ferienhaus begonnen hatten, die Autobomben zu bauen. Heimlich hatten die Ermittler allerdings bereits das Wasserstoffperoxid in einem Depot der Islamisten durch eine stark verdünnte Lösung ersetzt, um die unmittelbare Gefahr zu bannen. Wie sich später bei Tests zeigte, war der Großteil der 26 Sprengzünder, die bei ihnen gefunden wurden, defekt oder untauglich.

Prozesse / Terrorismus
10.08.2009 · 17:00 Uhr
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