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Sächsischer Polizist tötet Bekannten aus Kannibalen-Forum

Maik Mainda (v.l.n.r.), Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Dresden, Erich Wenzlick, sowie die Oberstaatsanwälte der Staatsanwaltschaft Dresden, Andreas Feron, während der Pressekonferenz. Foto: Sebastian KahnertGroßansicht

Dresden (dpa) - Ein sächsischer Polizist soll einen Geschäftsmann aus Hannover auf dessen Wunsch getötet und die Leiche zerstückelt haben.

Der Hauptkommissar (55) habe sich am 4. November mit dem 59-Jährigen getroffen, ihn kurz darauf in einer Pension in Reichenau (Osterzgebirge) umgebracht und die Leichenteile auf einer Wiese vergraben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden mitteilten. Der Tatverdächtige habe die Tat zugegeben. Er habe den Beamten Stellen gezeigt, wo er die Überreste seines Opfers verscharrt habe.

Nach Aussagen der Dresdner Ermittler bestritt der Tatverdächtige sexuelle oder kannibalistische Motive: Er habe den anderen getötet, weil dieser das gewünscht habe. Spekulationen um Kannibalismus waren aufgetaucht, weil Opfer und Täter sich in einem entsprechenden Internetforum kennengelernt hatten. Außerdem gaben mehrere Bekannte des getöteten Mannes bei der Polizei an, dass dieser nach eigenen Aussagen schon seit der Jugend die Fantasie gehegt habe, sich von einem Menschen töten und verspeisen zu lassen.

Der Fall weckt Erinnerungen an den «Kannibalen von Rotenburg», der 2001 einen Mann aus Berlin mit dessen Einverständnis tötete und Teile der Leiche aß. Er hatte sein Opfer ebenfalls auf einer Kannibalismus-Seite im Internet kennengelernt; der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Gegen den jetzt verdächtigen 55 Jahre alten Hauptkommissar, der für das Landeskriminalamt Sachsen als Schriftsachverständiger arbeitete, wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Die Staatsanwaltschaft schließt als Motiv die «Befriedigung des Geschlechtstriebes» nicht aus. Ob am Ende mildernde Umstände wegen Tötung auf Verlangen gelten können, ist völlig offen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind daran Kriterien geknüpft, beispielsweise, ob sich Opfer und Täter gut kannten. Dies sei aber im vorliegenden Fall nicht so gewesen. Auch ein nachvollziehbares Motiv wie eine schwere Erkrankung des Opfers gebe es nicht.

Der Chronologie des Verbrechens zufolge hatten sich Opfer und Täter für den 4. November verabredet. In einer E-Mail soll es konkret um eine Tötung an diesem Tag gegangen sein. Der 59-Jährige - Geschäftsführer einer Unternehmensberatung in Hannover - fuhr an diesem Morgen zunächst mit dem Bus nach Berlin. Von da ging es weiter mit dem Fernbus nach Dresden. Hier traf er gegen 15.15 Uhr ein und wartete dann auf seinen Mörder, der etwa eine halbe Stunde später kam. Zusammen fuhren beide mit dem Auto in das Wohnhaus nach Reichenau. Es wird auch als Pension betrieben, Gäste soll es zu diesem Zeitpunkt aber nicht gegeben haben.

Nach den bisherigen Ermittlungen wurde der 59-Jährige unmittelbar nach dem Eintreffen mit einem Messer getötet. Am 11. November gab ein Geschäftspartner des Opfers eine Vermisstenanzeige auf. Die Polizei stellte später eine letzte Ortung des Mobiltelefons des Vermissten in Berlin fest. Internet-Recherchen der Polizei in Hannover führten schließlich auf die Spur des Kriminalbeamten in Dresden. Die Ermittlungen der niedersächsischen Kollegen im Internet seien der Schlüssel zum Erfolg gewesen, sagte Polizeichef Kroll. Die Polizei Dresden hat eine Sonderkommission «Pension» gebildet, der 46 Beamte angehören. Von Mittätern geht die Polizei derzeit nicht aus.

Der Fall zeige, «wie Menschen mit den grauenvollsten Fantasien im Internet zusammentreffen und dabei ihre Perversionen in immer krasserer Form ausleben», sagte der Dresdner Polizeipräsident Dieter Kroll. 99 Prozent der Betroffenen bezögen ihre Lust allerdings allein aus dem Austausch von Informationen. «In diesem Fall wurden mehrere Grenzen überschritten», sagte Kroll und nannte als Beispiel eine «bizarre Behandlung» des Leichnams: «Das hat wenige Beispiele.»

   Nach Angaben des Innenministeriums gab es zuvor keine Anzeichen bei dem Beamten. «Auch gute Auswahlverfahren und bewährte Einstellungstests können nicht alle Persönlichkeitsmerkmale aufdecken», erklärte Landespolizeipräsident Rainer Kann. Er sprach von einem «erschreckend abartigen Verbrechen». Bewerber für die sächsische Polizei würden auch auf psychische und physische Belastbarkeit sowie soziale und persönliche Kompetenz geprüft, betonte er.

Kriminalität
29.11.2013 · 17:24 Uhr
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