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Säbelrasseln aus Nordkorea

Kim Jong Il mit Militärs in Pjöngjang. Nordkorea hat offenbar seine Guthaben im Ausland abgezogen.Großansicht
Seoul (dpa) - Neues Säbelrasseln aus Pjöngjang: Nordkorea hat den USA und deren Verbündeten militärisch mit «tausendfacher Vergeltung» gedroht, falls sie auch nur im geringsten die Souveränität des Landes verletzen sollten.

Einem Zeitungsbericht zufolge soll Nordkorea derweil damit begonnen haben, seine Guthaben im Ausland abzuziehen. Hintergrund sind Bedenken, dass das Geld sonst eingefroren wird. Die Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA in Wien forderte das Land erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und seine Atomwaffentests zu unterlassen. Auch Russland und China drängten darauf, wieder Gespräche aufzunehmen.

Nach der jüngsten Verschärfung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea hieß es am Mittwoch in einem Kommentar der offiziellen Zeitung «Minju Choson»: «Falls die USA und ihre Gefolgschaft die Souveränität unserer Republik auch nur im geringsten verletzen, werden unser Militär und die Bevölkerung hundert- oder tausendfache Vergeltung mit einem erbarmungslosen Militärschlag üben.»

Das Blatt beschimpfte US-Präsident Barack Obama als «Heuchler». Er würde sich für eine nuklearwaffenfreie Welt aussprechen, zugleich jedoch «hektische Bemühungen» um die Entwicklung neuer Atomwaffen im eigenen Land machen. «Das Atomprogramm ist nicht das Monopol der USA.»

Nordkorea hatte am 25. Mai einen zweiten Atomtest durchgeführt; inzwischen wurden auch die Inspekteure der Atombehörde IAEA ausgewiesen. Gleichzeitig kündigte Pjöngjang an, es wolle seine stillgelegten Atomanlagen bei Yongbyong wieder in Betrieb nehmen.

Der Weltsicherheitsrat hatte am vergangenen Freitag einstimmig schärfere Sanktionen als Antwort auf den zweiten Atomtest verhängt. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass Fracht von und nach Nordkorea in Häfen, Flughäfen und auf hoher See stärker auf verbotene Waffenlieferungen kontrolliert werden soll. Auch sind alle 192 UN- Mitgliedsstaaten, Banken und Kreditinstitute aufgerufen, Pjöngjang keine weiteren Gelder mehr zu gewähren, es sei denn, diese kämen der Bevölkerung in Form von humanitärer oder Entwicklungshilfe zugute.

Die jüngste Drohung aus Pjöngjang kam einen Tag, nachdem Obama und Südkoreas Präsident Lee Myung Bak in Washington ihre harte Haltung im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm bekräftigt hatten. Obama hatte die internationale Gemeinschaft zu entschlossenem Handeln aufgerufen, um die UN-Sanktionen gegen Nordkorea mit «robusten Kräften» durchzusetzen.

Die 35 Mitglieder des IAEA-Gouverneursrates betrachteten die Drohungen Pjöngjangs als «ernste Bedrohung für die Nichtweiterverbreitung (von Atomwaffen) und für den Frieden und die Sicherheit der Region», sagte IAEA-Generaldirektor Mohammed el Baradei zum Abschluss der Nordkorea-Debatte des wichtigsten Entscheidungsgremiums der UN-Atombehörde am Mittwoch in Wien. Er hatte zuvor in Hinblick auf den Atomstreit mit dem Iran die Ansicht vertreten, dass Teheran das Know-How zum Bau von Atomwaffen anstrebe, um sich damit mehr Geltung im Mittleren Osten zu verschaffen.

Vor dem IAEA-Chef hatte bereits der Vertreter der USA Nordkorea wegen seiner Kriegsdrohungen kritisiert und neue Verhandlungen mit Pjöngjang verlangt. Der US-Gesandte Geoffrey Pyatt bezeichnete die Ankündigung Pjöngjangs, seine Plutonium-Bestände in Atomwaffen umzuwandeln, als «Verstoß gegen die Resolutionen des UN- Sicherheitsrats».

Nach einem Bericht der südkoreanischen Zeitung «Dong-A Ilbo» hat das kommunistische Land inzwischen damit begonnen, Konten im chinesischen Macau und anderswo aus Furcht davor zu räumen, dass sie eingefroren werden könnten. Betroffen seien fast alle Konten im Ausland, die von Einzelpersonen wie von nordkoreanischen Handelsfirmen gehalten werden. Nähere Details wurden nicht genannt.

Russland und China appellierten an Pjöngjang, im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm die sogenannten Sechsergespräche unter anderem mit den USA und China wieder aufzunehmen. Nach nordkoreanischen Raketentests und einem zweiten Atomtest am 25. Mai sei die Situation in der Region «besorgniserregend», teilten Kremlchef Dmitri Medwedew und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao nach einem Treffen in Moskau am Mittwoch mit.

Konflikte / Atom / Nordkorea
17.06.2009 · 16:54 Uhr
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