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Russland sieht Putin trotz Opel-Schlappe als Retter

Wladimir Putin hatte sich besonders für den Verkauf von Opel an Magna eingesetzt.Großansicht
Moskau (dpa) - Den Schuldigen für den gescheiterten Einstieg der Russen beim deutschen Autobauer Opel hatten Moskaus Medien schnell gefunden. Es war nicht Regierungschef Wladimir Putin, der sich wie kein anderer für die Übernahme eines Opel-Anteils durch die russische Sberbank eingesetzt hatte.

Immerhin werteten einige im Westen die Absage des US-Konzerns General Motors GM, Opel nicht zu verkaufen, auch als Blamage für Russlands obersten Manager. Die russischen Vorwürfe richteten sich jedoch vielmehr gegen den traditionellen Feind: die USA und ihren «Turbokapitalismus».

Putin hatte sich von Opel einen einmaligen Modernisierungsschub für die am Boden liegende russische Autoindustrie erhofft. Er meinte, ein Opel-Einstieg Russlands sei ein echter Schritt für eine bessere Zusammenarbeit mit dem Westen und die Chance für Moskau, sich nicht nur als Energielieferant hervorzutun. Nun äußerte er sich enttäuscht. Russland werde den «eigentümlichen Geschäftsstil» der Amerikaner künftig berücksichtigen, warnte der frühere Kremlchef, der nach wie vor als wichtigster Wirtschaftslenker im Land gilt.

Autoexperten und Politologen gaben zwar demonstrativ Entwarnung. Es handele sich um eine rein wirtschaftliche Entscheidung. Es werde wohl keine negativen politischen Folgen geben. Immerhin kann Russland auch nach Regierungsangaben die Modernisierung nicht ohne westliche Hilfe schaffen. Auch die russisch-deutschen Beziehungen bleiben aus Sicht des Deutschland-Experten Wladislaw Below unbeschadet. Kanzlerin Angela Merkel habe sich glaubhaft stark gemacht für die russische Variante und dabei selbst politisch einiges riskiert, betonte Below. Das werde ihr in Moskau angerechnet.

Doch es gab auch Befürchtungen, das russisch-amerikanische Verhältnis könne nach der jüngsten Annäherung beider Länder wieder abkühlen. Die Absage des Opel-Verkaufs sei «vielmehr eine politische als eine wirtschaftliche Entscheidung», sagte Parlamentsvizechef Oleg Morosow, ein Politiker der von Putin geführten Partei Geeintes Russland. In Russland ist die Meinung verbreitet, die Amerikaner dächten noch so wie zu Zeiten des Kalten Krieges und ließen deshalb keinen Zugriff der Ex-Sowjetunion auf westliche Technik zu.

Nur am Rande klang auch Kritik an Russlands Wirtschaftspolitik an - ohne Nennung des Namens Putin. Die liberale Wirtschaftszeitung «Kommersant» etwa listete eine Reihe anderer verpatzter Deals auf. Kritisiert wurde auch die für westliche Investoren oft abschreckende staatliche Intervention in Wirtschaftsfragen. Kommentatoren wiesen zudem erneut darauf hin, dass Sberbank-Chef German Gref quasi von Putin verdonnert worden war, Opel an Land zu ziehen.

Der Manager Gref, der die GM-Kehrtwende zunächst nicht kommentierte, hatte selbst immer wieder Zweifel geäußert. Grefs skeptische Stimmung gab in etwa der russische Vizeregierungschef Alexander Schukow wieder: «Die russische Automobilindustrie hat auch ohne Opel genug eigene Probleme.» Putin weiß das. Die russischen Staatsmedien präsentierten den Regierungschef nach der Opel-Niederlage einmal mehr als Retter der einheimischen Industrie.

Allein für den hoch verschuldeten größten russischen Autobauer Avtovaz (Lada) hat Putin seit Anfang dieser Woche umgerechnet 1,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Doch wie genau die technisch völlig veraltete Branche zukunftsfähig gemacht werden soll, bleibt bisher unklar. Russlands Wirtschaftsministerium schlug unlängst sogar vor, um die geplanten Massenentlassungen zu verhindern, könne Avtovaz doch künftig auch Spielzeugautos herstellen.

Auto / Opel / Russland
05.11.2009 · 17:07 Uhr
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