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Runde zwei beim Streit auf Klimagipfel

Lars Løkke RasmussenGroßansicht
Kopenhagen/Bonn (dpa) - Der Streit zwischen China und den Industrieländern auf dem Kopenhagener Klimagipfel geht in die zweite Runde. China lancierte am Donnerstag ein Gegenpapier zum Entwurf des dänischen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen für ein neues Klimaabkommen.

Nach dem chinesischen Text sollen nur die Industrieländer feste Treibhausgasziele erhalten, nicht aber die Schwellenländer. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte unterdessen, sowohl reiche als auch arme Staaten müssten sich im Kampf gegen den Klimawandel engagieren. «Europa alleine kann auf jeden CO2-Ausstoß verzichten, dann haben wir immer noch nicht das Klimaproblem der Welt gelöst», sagte sie beim Kongress der Europäischen Volkspartei in Bonn. Deshalb müssten sich alle Länder beteiligen, «natürlich mit einer Vorreiterrolle der Industriestaaten».

Nach dem chinesischen Entwurf für ein Kopenhagener Abkommen sollten Industrieländer ganz klare Reduktionsziele erhalten - das Papier nennt jedoch keine konkreten Zahlen. Nach Angaben der französischen Zeitung «Le Monde», die den Text am Donnerstag im Internet veröffentlichte, haben an dem Text auch Indien, Brasilien, Südafrika und der Sudan als derzeitiger Sprecher der Entwicklungs- und Schwellenländer mitgearbeitet. Diese beiden Staatengruppen sollten laut Entwurf «basierend auf ihren spezifischen nationalen Umständen» Klimaschutzaktionen ergreifen. Konkrete Zahlen sind für diese Staaten nicht vorgesehen.

Der Entwurf ist für Greenpeace zu schwach. «Eine Stabilisierung der Erdtemperatur bei zwei Grad Erwärmung ist nicht möglich, wenn nicht auch die Schwellenländer mitmachen», sagte der Leiter Klimapolitik von Greenpeace International, Martin Kaiser. «Aber den ersten Schritt müssen die Industrieländer tun, und das steht ja auch beim EU-Gipfel in Brüssel derzeit auf der Tagesordnung.» In Brüssel wollen bis Freitag die 27 EU-Länder bei einem Gipfeltreffen ihre gemeinsame Linie für die entscheidenden Verhandlungen in der dänischen Hauptstadt Ende nächster Woche abstecken.

Das Europaparlament forderte vom EU-Gipfel deutlich bessere Klimaziele für den Kopenhagener Gipfel. Auf ihrem Treffen in Brüssel sollten die Staats- und Regierungschefs die bedingungslose Verringerung des Kohlendioxid (CO2)-Ausstoßes um 30 Prozent bis 2020 beschließen, sagte der SPD-Abgeordnete Jo Leinen. Europa hat bereits die Reduzierung um 20 Prozent beschlossen und will erst dann auf 30 Prozent aufstocken, wenn andere Länder Vergleichbares auf den Tisch legen.

Die Forderung des Europaparlaments wird unter anderem von Dänemark, Luxemburg, Großbritannien und den Niederlanden unterstützt. Das Parlament muss ein Klimaabkommen ratifizieren. Leinen wies darauf hin, dass Japan und Norwegen schon längst weiter seien. So wolle Japan um 25 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. «Wir sind nicht mehr führend», warnte Leinen, der in Kopenhagen die Parlamentsdelegation leiten wird. Gleichzeitig forderte er ein Bekenntnis der EU, ein Drittel der voraussichtlich 10 Milliarden Euro für die jährliche Anschubfinanzierung für Klimamaßnahmen in der Dritten Welt zu übernehmen sowie von 2013 an jährlich gut 30 Milliarden für die Entwicklungsländer zu zahlen.    

Am Samstag wollen Klimaschützer mindestens 2600 Aktionen in rund 140 Ländern starten. Die Veranstalter der zentralen Demonstration in Kopenhagen kündigten ein entschlossenes Vorgehen gegen mögliche Randalierer an. Zu einem Protestzug von der Kopenhagener Innenstadt zum Konferenzzentrum vor den Toren der Stadt werden 15 000 bis 30 000 Teilnehmer erwartet. Der Sprecher des dänischen Organisationsteams, Knud Vilby, sagte der Zeitung «Berlingske Tidende»: «Wenn Leute sich nicht an unsere Regeln halten und ausscheren, werden wir das selbst stoppen. Das Wie ist mit der Polizei abgesprochen.»

Die Weltnaturschutzunion IUCN warnte auf dem Klimagipfel vor einer weiteren Versauerung der Meere. Deren Säuregrad habe seit Beginn der Industrialisierung vor 250 Jahren um 30 Prozent zugenommen. Bis 2100 könnten 70 Prozent der Kaltwasserkorallen wegen der zersetzenden Wirkung des sauren Wassers ausgestorben sein. Die Ozeane nehmen laut IUCN derzeit jährlich 25 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids auf.

IUCN-Leitlinie: http://dpaq.de/cop15_Saure_Ozeane

UN / Klima / Gipfel / Dänemark
10.12.2009 · 17:17 Uhr
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