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Rund 70 Tote bei Anschlägen auf Schiiten im Irak

Selbstmordanschlag bei MossulGroßansicht
Mossul/Bagdad (dpa) - Im Irak haben Terroristen binnen weniger Stunden mehr als 70 Zivilisten getötet. Ziel ihrer Anschläge waren fast ausschließlich Wohngebiete, in denen schiitische Muslime und Angehörige der religiösen Minderheit der Schabak leben.

Parlamentsabgeordnete aus der nördlichen Provinz Ninive, wo die meisten Opfer zu beklagen waren, forderten die Regierung am Donnerstag auf, mehr Soldaten und Polizisten in die Region zu schicken, die als Hochburg der El-Kaida-Terroristen gilt.

In einem mehrheitlich von schiitischen Turkmenen bewohnten Bezirk der 450 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Tel Afar rissen zwei Selbstmordattentäter am Donnerstagmorgen 35 Menschen mit in den Tod. Nach Angaben der Polizei waren die meisten Opfer Frauen und Kinder. 45 Menschen wurden verletzt.

In Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City starben kurze Zeit später sechs Menschen, als fast zeitgleich zwei Bomben auf einem Markt explodierten. Ein irakischer Militärsprecher sagte, 31 weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten.

An einer Straße im Innenstadt-Viertel Karrade tötete ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz nach Angaben der Polizei zwei Menschen. Die irakische Zentralbank dementierte Angaben der Polizei, wonach der Anschlag dem Vorsitzenden der Zentralbank, Sinan al-Schabibi, gegolten haben soll. Dessen Konvoi sei zum Zeitpunkt der Detonation schon in der geschützten «Grünen Zone» von Bagdad gewesen, sagte ein Sprecher. In Al-Musajjib südlich von Bagdad töteten Unbekannte am Mittwochabend zwei Besucher der Hochzeitsfeier eines Offiziers. 18 Menschen wurden verletzt.

Am Mittwoch hatten Terroristen in zwei Dörfern unweit von Tel Afar Autobomben gezündet. Die mit Sprengstoff beladenen Fahrzeuge waren neben Moscheen in den Dörfern Sada und Al-Kubba abgestellt worden. In dem Dorf Sada starben 20 Menschen. In dem zweiten Dorf zählte die Polizei sieben Tote. Durch diese zwei Anschläge wurden laut Polizei insgesamt 67 Menschen verletzt.

Die Opfer waren schiitische Turkmenen und Angehörige der Religionsgemeinschaft der Schabak. Die Schabak in der Region von Tel Afar hatten sich in den vergangenen Jahren mehrfach gegen Versuche der autonomen Kurdenregierung in Erbil gewehrt, sie zu Kurden zu erklären, um dadurch Argumente für ihre Ansprüche auf einige Gebieten der Provinz Ninive zu untermauern, in denen auch Kurden leben.

«Die Terrorgruppen versuchen, in Ninive Präsenz zu zeigen, indem sie die Schwächsten ins Visier nehmen, die Turkmenen in Tel Afar und in dem Dorf Kubba und die Schabak in dem Dorf Sada» sagte der Parlamentarier Hunain Al-Kado, der zu den Schabak gehört, einer kleinen Religionsgemeinschaft, deren Lehre Gemeinsamkeiten mit dem schiitischen Islam hat.

Konflikte / Irak
09.07.2009 · 15:21 Uhr
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