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Rund 130 Tote bei Doppelanschlag in Bagdad

Trauer: Irakische Polizisten können die Tränen nicht zurückhalten.Großansicht
Bagdad (dpa) - Blutiger Sonntag im Irak: Zwei Selbstmordattentäter haben mitten in Bagdads Regierungsviertel über 130 Menschen mit in den Tod gerissen. Regierungssprecher Ali al-Dabbagh sprach von 136 Toten und rund 500 Verletzten.

Augenzeugen erklärten jedoch, die genaue Zahl der Opfer sei wegen der großen Wucht der Explosion schwer zu ermitteln. Viele Menschen seien geradezu in Stücke gerissen worden. Es war die folgenschwerste Terrorserie im Irak seit zwei Jahren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die «sinn- und wahllosen Gewalttaten, die sich erneut gegen Unschuldige richteten», scharf. Die US-Regierung nannte die Anschläge «schändlich» und «verabscheuungswürdig».

Die irakische Regierung machte das Terrornetz El Kaida und Anhänger der unter dem früheren Diktator Saddam Hussein herrschenden Baath Partei für das Blutbad verantwortlich. Die US-Truppen hatten im Juli ihre Stützpunkte in den irakischen Städten geräumt und die Kontrolle an die irakischen Sicherheitskräfte übergeben. Seither hat die Gewalt im Irak wieder zugenommen.

Die beiden Terroristen sprengten sich nach Angaben von Augenzeugen fast zeitgleich in die Luft. Der erste Attentäter brachte seinen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in der Nähe des Justizministeriums zur Explosion. Der zweite Terrorist zündete seine Autobombe neben dem Gebäude des Provinzrates. «Die Explosionen waren so schrecklich laut, dass jeder von Panik und Horror ergriffen wurde, und danach hing eine riesige Rauchwolke über der Stadt», sagte der Fotograf Habib al-Lami, der sich in einem benachbarten Hotel aufhielt. «Die Wucht der Explosion (vor dem Provinzratsgebäude) war so groß, dass die Leichenteile weit durch die Luft geschleudert wurden. Viele Menschen verbrannten in ihren Autos.»

Ban habe mit Trauer und Bestürzung auf die Anschläge reagiert, sagte ein Sprecher des UN-Generalsekretärs am Sonntag in New York. Er habe die Iraker aufgerufen, angesichts der Taten geeint den politischen Fortschritt des Landes zu sichern und am 16. Januar 2010 als Datum für landesweite Wahlen festzuhalten. Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft verurteilte die Anschläge ebenfalls. Die Arabische Liga sagte der irakischen Regierung Unterstützung bei allem zu, was dazu diene, Recht und Gesetz herzustellen und Gewalt und Terror zu bekämpfen».

«Diese Bombenanschläge dienen keinem anderen Zweck als unschuldige Männer, Frauen und Kinder zu töten», teilte US-Präsident Barack Obama mit. Die Attentate offenbarten «die hasserfüllten und zerstörerischen Ziele jener, die dem irakischen Volk die Zukunft verweigern, die es verdient». Nach Ansicht von US-Außenministerin Hillary Clinton versuchten die Hintermänner des Anschlags, den «beeindruckenden Fortschritt» der Iraker in Richtung Stabilität zunichte zu machen.

Auch die Bundesregierung in Berlin verurteilte die «feigen Anschläge» in einer Erklärung von Außenamtssprecher Andreas Peschke auf das Schärfste. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sprach dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani und den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Er sei zuversichtlich, dass die irakische Regierung und die Bürger des Landes einmal mehr Kraft und Mut fänden, um am Wiederaufbau ihres Landes weiterzuarbeiten, erklärte Sarkozy.

Erst am 19. August hatten Attentäter Bombenanschläge auf Regierungsgebäude in Bagdad verübt. Damals starben über 100 Menschen. «Die Anschläge tragen die Handschrift von El Kaida und Baath-Extremisten. Sie ähneln denen vom vergangenen August», sagte der Regierungssprecher Ali al-Dabbagh. Auch die Anschläge vom Sommer gingen nach Ansicht der Behörden auf das Konto der Baathisten.

Das Blutbad vom Sonntag war das folgenschwerste seit August 2007. Damals starben bei Bombenanschlägen auf zwei Dörfer nahe Mossul im Nordirak rund 500 Menschen. Hunderte weitere wurden verletzt.

Konflikte / Irak
25.10.2009 · 21:34 Uhr
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