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Rüpel-Raab wird zum Retter der Nation

Stefan RaabGroßansicht
Köln (dpa) - Jesuitenschüler, Metzger, Sprücheklopfer, Event-Erfinder, Talentschmied, Lena-Entdecker. Stefan Raab (43) hat vieles gemacht, und das meiste ist ihm gelungen. Vor allem in jüngster Zeit bewies er ein goldenes Händchen.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da war er geradezu verrufen. Stefan Raab, der Mann mit dem Steinbeißer-Grinsen, der Klamauk-Arbeiter von ProSieben («Lieblingsvogel: Lachmöwe»). Ständig bewegte er sich an der Scherz-Grenze. Jeder, dessen Anspruch auch nur halbwegs ins Höhere ging, tat sein «TV Total» als Unterschichtenfernsehen ab.

Und es ist nicht so, dass dies unberechtigt gewesen wäre. Stefan Raab hat ohne Zweifel eine ausgeprägte Schwäche für Kalauer, und wenn ein US-Star wie neulich noch Jennifer Lopez bei ihm Platz nimmt, fällt ihm selten mehr ein, als den Gast etwas auf Deutsch sagen zu lassen. Bei Lopez war es der Satz «Ich will ein Kind von dir».

Was man ihm aber immer schon zugutehalten musste, waren seine Vielseitigkeit und sein Musikverstand. Wenn in den vergangenen Jahren neue Unterhaltungsformate im deutschen Fernsehen entstanden, dann kamen sie meist aus seiner Ideenschmiede Brainpool TV, die in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Kölner Multikulti-Stadtteil Mülheim ihren Sitz hat. Kein anderer als der Schöngeist Alfred Biolek erklärte im vergangenen Jahr: «Der einzige, der sich heute was traut und immer mal was Neues ausprobiert, ist Stefan Raab.»

Auch als Musikexperte schätzt ihn die Branche seit langem. 2005 erhielt er den renommierten Adolf-Grimme-Preis in der Spezialkategorie «Entdeckung und Förderung junger Musiktalente».

Bei «Unser Star für Oslo» wurde deutlich, dass der Entertainer an einem Imagewechsel arbeitet. Aus Rüpel-Raab war plötzlich der liebe Stefan im dunkelgrauen Anzug geworden. Für Lena Meyer-Landrut scheint er geradezu väterliche Gefühle entwickelt zu haben. «Ich kann einfach nur das Beste über ihn sagen», versicherte die «Satellite»-Sängerin der Nachrichtenagentur dpa.

Und nun ist Raab mit einem Mal der Retter der Nation, der Deutschlands Grand-Prix-Ehre wiederhergestellt hat. Viele sehen ihn schon als Nachfolger des 60 Jahre alten Thomas Gottschalk. Nachfolger in dem Sinne, dass er in einer auf bestimmte Zielgruppen ausgerichteten Fernsehwelt die größtmögliche Zuschauergemeinde um das berühmte elektronische Lagerfeuer versammeln kann.

Und Raab als Mensch, wie ist der so? Bei Presseterminen wirkt er genauso wie vor der Kamera, gespielt ist da nichts. Nein, er gehört sicher nicht zu jenen Komödianten, die im Privatleben zur Melancholie neigen. Wobei man dazusagen muss, dass den Privatmann Raab so gut wie niemand aus der Branche je zu Gesicht bekommen hat.

Seine Familie schirmt er konsequent ab, er taucht in seiner Heimatstadt Köln auch nie bei Partys, Empfängen oder sonst irgendwo auf. Höchstens in der Kindermesse seiner katholischen Heimatgemeinde - da soll man ihn ab und zu mal antreffen können. Und dann werden die Messdiener wohl immer ganz zappelig.

Musik / Medien / Fernsehen
31.05.2010 · 06:54 Uhr
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