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Roman Steuer: „Die Livesituation kann man nicht trainieren“

Optisch eindrucksvoll, aber noch nicht ganz pannenfrei. Vor allem der Ton stimmte zuletzt bei Sky Sport Sendungen nicht immer. Bei Quotenmeter.de spricht Roman Steuer, Executive Vice President Sports, exklusiv über die "Kinderkrankheiten", das Setzen von Prioritäten und neue Herausforderungen.


Herr Steuer, vor genau sieben Wochen haben Sie das neue Sky Sport HQ Pressevertretern und Öffentlichkeit vorgestellt, seit fast sieben Wochen wird aus dem kleineren Studio gesendet, seit einem Monat aus dem großen „Home of Football“, wie Sie es nennen. Neben den neuen Studios gibt es auch neue Formate, Gesichter und Experten. Wie fällt Ihre inhaltliche Bilanz der vergangenen Wochen aus?
Wir bieten neue Inhalte an und haben schon Existierendes mit neuen Ideen belebt. Ich bin sehr zufrieden, was unsere Inhalte betrifft. Wir haben gute neue Leute geholt, sowohl bei den Moderatoren als auch bei den Kommentatoren und Experten. Wir haben heute Abend jetzt unsere letzte Premiere in Sky Sport HQ – wir werden von dort erstmals unsere UEFA Europa League Sendung produzieren. Mit diesem letzten Start ist gewissermaßen die erste Phase abgeschlossen.

Dass manche Ihrer Kommentatoren, etwa Frank Buschmann oder Jörg Dahlmann, unterschiedliche Reaktionen hervorrufen, war Ihnen vermutlich im Vorfeld bewusst.
Das war uns in der Tat bekannt. Manche Kommentatoren polarisieren eben mehr. Wir sehen uns bestens aufgestellt. Unser Ziel war, wie wir es schon mehrfach gesagt haben, dass wir Fußballspiele emotionaler übertragen wollen.

Es gab in den vergangenen Wochen mal größere, mal kleinere Tonprobleme. Haben Sie das Problem, das diese Störungen verursacht, schon finden können?
Wir haben mit Sky Sport HQ eines der modernsten Sportsendezentren Europas in Rekordzeit gebaut. Dieses Studio bietet uns eine Vielzahl an Möglichkeiten. Aber wir haben momentan noch ein paar Kinderkrankheiten. Es sind diverse Gründe, die zu einigen Einschränkungen führen. Jede dieser Einschränkungen untersuchen wir natürlich genau und bringen all unsere Erfahrung ein, um direkt wieder die gewohnte Qualität unserer Übertragungen herzustellen. Dazu gehören auch umfangreiche Tests, die wir täglich durchführen.

Sie haben die recht kurze Bauzeit angesprochen. Nach rund einem Jahr war das neue Sendezentrum in dem bestehenden Gebäude in der Nachbarschaft Ihrer Konzernzentrale integriert. Wäre mehr Zeit besser gewesen?
Die Bauzeit war sportlich, aber natürlich hatten wir vor der Eröffnung Tests durchgeführt. Die Live-Situation kann man aber nicht trainieren. Wir haben im Juli mit der Übertragung von Wimbledon begonnen. Das hat sehr gut geklappt. Die Übertragung von Bundesliga, Champions League oder auch Handball hat aber eine andere Dimension.

Frank Buschmann hat sich gestern in der deutschen Konferenz zunächst doppelt gehört, eine Halbzeitpause des Topspiels am ersten Spieltag lief komplett ohne Ton, genauso wie bei einem Spiel aus Freiburg der Back-Up-Kommentator aus Unterföhring übernehmen musste. Die Tonprobleme scheinen von vielen Seiten zu kommen. Das macht die Behebung vermutlich umso schwerer?
In einigen Fällen wurde das Signal schon fehlerhaft aus dem Stadion bei uns angeliefert. In anderen Fällen lag es am Set-Up bei uns in Sky Sport HQ. Deshalb müssen wir jeden Fehler wirklich einzeln analysieren und bewerten. Dazu kommt ja noch, dass wir in unserem Sendezentrum verschiedene Dinge automatisiert steuern. Wir haben dort also Technik, die vorher so noch nicht vorhanden war. Auch das stellt uns alle vor Herausforderungen. Was ich aber versichern kann: Wir alle arbeiten mit Hochdruck Tag und Nacht daran, diese Probleme so schnell wie möglich zu beheben. Wir haben hervorragende Leute im Team, die alles dafür tun, dass unsere Kunden das Produkt in der von Sky gewohnten Qualität zu sehen bekommen.

Wie können Sie als Chef von Sky Sport Ihre Mitarbeiter in diesem Punkt unterstützen?
In dem wir auch die Prioritäten ganz klar setzen: Wir stellen sämtliche Ressourcen, die wir haben, zur Verfügung, um die Tonprobleme in den Griff zu bekommen.

Gibt es einen Zusammenhang, dass Sie bisher weniger mit der eigentlich angekündigten Augmented Reality, also mit virtuellen Grafiken, gearbeitet haben?
Wir haben einen Plan, ab wann wir welche Dinge im neuen Studio aktivieren. Augmented Reality war immer für etwas später geplant.

2011 haben Sie mit Sky Sport News HD das erste Projekt gestartet, das von Sky auch selbst produziert wurde. Damals verlief der Start aus technischer Sicht recht reibungslos. Wie vergleichbar sind diese Projekte hinsichtlich der Herausforderungen beim Start?
Bezüglich der Komplexität kann man das nicht vergleichen. Bei Sky Sport News HD sprechen wir von einem 24-Stunden-Kanal mit fünf Kameras im Studio. Bei Sky Sport HQ handelt es sich um ein Sendezentrum mit vielen Sendeabwicklungen, vielen Kommentatorenplätzen und einer anderen Größenordnung der Studios inklusive der Möglichkeiten darin. Das ist eine ganz andere Dimension. An einem normalen Wochenende verarbeiten wir mindestens 50 Sendestunden live, teilweise sogar um die 80. An Champions-League-Tagen sind es, Dienstag und Mittwoch zusammen, ca. 40 Live-Sendestunden. Seit Juli senden wir bis auf wenige Ausnahmen fehlerfrei aus unserem neuen Studiokomplex Sky Sport Headquarter. Unser Anspruch ist es, diese wenigen Ausnahmen auf Null zu reduzieren.

Die HBL, die Sie als neues Projekt ansprachen, war von technischen Problemen bisher weites gehend verschont. Zumindest, wenn man von Stromausfällen direkt vor Ort absieht.
Richtig. Wir hatten zwei Stromausfälle, einmal in einer Halle, einmal in einer ganzen Stadt. Da sind wir dann letztlich machtlos. Von den 306 live-Spielen der HBL produzieren wir 180 Partien als Remote-Signal. Da schneiden wir die in der Halle aufgenommenen Bilder mittels ebenfalls ganz neuer Technik bei uns im HQ. Sie haben recht: Bislang alles problemlos gelaufen. Damit bin ich bisher wirklich zufrieden.

Es steht eine englische Fußballwoche an: Ab morgen senden Sie eineinhalb Wochen fast jeden Tag Bundesligaspiele. Nach der Bundesliga im XL-Pack kommt der zweite Champions League Spieltag. Wie groß ist die Anspannung vor dem Hintergrund der beschriebenen Tonprobleme?
Anspannung ist bei Live-Sendungen immer da. Gerade wenn es auch um Multifeed-Übertragungen geht und wir wissen, dass die Wahrnehmung unseres Produkts sehr hoch ist. Wir bereiten uns auf jede Sendung bestmöglich vor und werden nun die noch vorhandenen kleinen Schwächen schnellstmöglich beheben.

Wie lange wird uns das Thema Tonprobleme noch beschäftigen?
Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Aufgrund der Komplexität kann ich das aber nicht auf den Tag genau sagen.

Sie sind gerade im Fußballbereich sehr stark aufgestellt. Bis 2021 werden die wichtigsten Spiele der großen deutschen Vereine alle bei Sky zu sehen sein. Schauen Sie sich noch weiter um nach Rechten? Die Premier League ist bald wieder zu haben…
Grundsätzlich schauen wir uns immer alle Rechte, die auf den Markt kommen, genau an. Wir fragen uns, ob dieses Recht zu uns passt und ob es einen Mehrwert für unseren Zuschauer bietet. Entsprechend dieser Bewertung handeln wir.

Und das gilt auch für die Formel1, die mit neuem Eigentümer, seit Juli Rechte für Deutschland ausgeschrieben hat?
Die Formel1 ist hier ein Beispiel. Wir prüfen: Was interessiert unsere Zuschauer und welche Effekte hat ein Sportrecht letztlich für unser Programm?

Herr Steuer, Dankeschön für die Erklärungen.
Magazin / Interviews
14.09.2017 · 14:05 Uhr
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