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Rösler will mehr Hygiene in Kliniken

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bei einem Besuch im Diagnostiklabor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg.Großansicht

Berlin (dpa) - Angesichts des Mainzer Infusionsskandals werden Rufe nach schärferen Hygiene-Kontrollen in den Kliniken immer lauter. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Krankenhaus-Hygiene auf die Tagesordnung der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Bund und Ländern setzen.

Unterstützung erhält Rösler von der CSU. Angesichts von über 600 000 Krankenhausinfektionen in Deutschland pro Jahr mit bis zu 40 000 Toten setzen FDP- und CDU-Gesundheitsexperten dagegen auf rasche bundesweite Regeln. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene pocht auf die Einhaltung von Hygiene-Standards.

Eine Lösung müsse gemeinsam mit den Ländern gefunden werden, sagte Rösler der Nachrichtenagentur dpa in Hamburg. Sein Ministerium erläuterte, die Länder seien zuständig. «Auf der nächsten Gesundheitsministerkonferenz ist dazu eine gute Gelegenheit», sagte der Minister. Vor weiteren Schritten müssten aber die Untersuchungsergebnisse zur Ursache der Infektionen in Mainz abgewartet werden. Der Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) sagte der dpa, er unterstütze das Vorgehen, mögliche Verbesserungen zunächst mit den Ländern zu erörtern.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike Flach, kündigte dagegen eine rasche Initiative für eine bundesweite Regelung an. «Wir haben auf dem Gebiet der Krankenhaus-Hygiene ein großes Problem, auf das der Gesetzgeber dringend reagieren muss», sagte Flach der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag). Flach kritisierte, die eigentlich zuständigen Länder hätten bisher bis auf wenige Ausnahmen keine Hygiene-Verordnungen für Kliniken erlassen.

Ihr CDU-Kollege Jens Spahn (CDU) sagte der dpa: «Immer wieder haben wir uns auf Zuständigkeiten der Länder und der Krankenhäuser verlassen. Das scheint aber nicht zu reichen. Deswegen wollen wir jetzt eine bundesgesetzliche Regelung prüfen.» Die Menschen dürften nicht kränker aus dem Krankenhaus kommen als sie reingingen.

Im Einzelnen forderten die FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann und Jens Ackermann ein Standardverfahren für die Erfassung und Meldung von Infektionen mit den gefürchteten multiresistenten Erregern (MRSA). Eine zentrale Stelle könne am Robert Koch-Institut angesiedelt werden.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Harald Terpe forderte, die Kliniken per nationalem Aktionsplan zur Einstellung hauptamtlicher Hygienebeauftragter zu verpflichten. «Mangelnde Krankenhaushygiene ist auch ein Problem unzureichender Organisation und mangelnder Sensibilisierung in einzelnen Krankenhäusern.»

Ungeklärt ist, wann sich die Landesgesundheitsminister mit dem Thema befassen. Die nächste reguläre GMK-Sitzung findet erst im kommenden Jahr statt. Der Sprecher der GMK-Vorsitzenden, der niedersächsischen Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU), sagte der dpa: «Natürlich fließen aktuelle Entwicklungen in die GMK ein.» Ob es ein Sondertreffen gibt, sei aber noch offen. In Niedersachsen solle die Klinikhygiene in der Novellierung des Landeskrankenhausgesetzes speziell berücksichtigt werden.

Die Gesellschaft für Krankenhaushygiene forderte eine bessere Kontrolle der Hygienestandards - «und zwar durch Fachpersonal, das ständig im Haus ist und den anderen auf den Wecker geht, weil es immer wieder nachhakt», wie Sprecher Klaus-Dieter Zastrow der dpa sagte. Zastrow warf den Kliniken vor, bei der Hygiene zu sparen. «Reinigungszyklen werden verlängert, Pfleger müssen immer mehr Patienten versorgen.»

Notfälle / Kinder
24.08.2010 · 21:29 Uhr
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