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Rösler: Grippe gefährlicher als Schweinegrippe

Als Nachweis für die erfolgte Impfung gegen die Schweinegrippe klebt ein Arzt einen Aufkleber in den Impfausweis eines Patienten.Großansicht
Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) hält die normale Herbstgrippe derzeit noch für gefährlicher als die Schweinegrippe. Er werde sich erst einmal gegen die normale Grippe impfen lassen, sagte Rösler der «Bild am Sonntag»: «Die ist momentan noch gefährlicher.»

Danach lasse er sich gegen die Schweinegrippe impfen. Den Bürgern empfahl er, sich mit ihrem Arzt zu besprechen. «Gefährdete Personen sollten sich aber - wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen - jetzt gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Auch die Polizei und die Feuerwehrleute sollten sich wie vorgesehen impfen lassen», sagte Rösler.

Der Virologe Michael Pfleiderer rechnet damit, dass die Impfmüdigkeit der Deutschen bei der Schweinegrippe bald verschwinden wird. «Ich weiß, dass die Stimmung über Nacht umschlägt, sobald wie jetzt in den USA die Zahl der Schwerkranken steigt und die Krankenhausbetten knapp werden», sagte der Impfstoff-Experte vom Paul-Ehrlich-Institut der «WirtschaftsWoche». Es gebe keinen Grund für Vorbehalte: Die kritisierten Wirkungsverstärker seien erprobt und in herkömmlichen Grippe-Impfstoffen millionenfach gespritzt worden. Gegenwärtig werde «unglaublicher Blödsinn als Wahrheit» verkauft.

In Baden-Württemberg kommt die Impfaktion gegen die Schweinegrippe auch eine Woche nach Beginn nur schleppend voran. Zum einen wurde laut Sozialministerium deutlich weniger Impfstoff geliefert als angefordert. Statt 900 000 Dosen Pandemrix pro Woche seien bisher in der ersten Marge 200 000 und in einer zweiten 112 000 angekommen. Grund ist ein Lieferengpass beim Hersteller GlaxoSmithKline, wie eine Firmensprecherin bestätigte. Zum anderen bieten mehrere Hausärzte bewusst keine Impfungen an.

Unterdessen ist die Zahl der Toten durch die Schweinegrippe in Deutschland auf sechs gestiegen: Am Freitag starben drei weitere Menschen. Eine Frau erlag im Uni-Klinikum Bonn den Folgen der Infektion. Außerdem starben ein Kind im Saarland und ein behinderter Jugendlicher in Augsburg.

Im Süden der Bundesrepublik wurden am Wochenende mehrere Handballspiele der Regionalliga und der 2. Bundesliga abgesagt, weil einige Spieler - Frauen und Männer - an Schweinegrippe erkrankt sind. Es bestehe akute Ansteckungsgefahr, berichtete die Handball-Bundesliga-Vereinigung Frauen am Samstag.

In der Ukraine wurden nach einer Reihe von Todesfällen landesweit die Schulen geschlossen und größere Veranstaltungen verboten. In Italien starben innerhalb von nur 24 Stunden vier Menschen an der Grippe, darunter erneut auch ein Arzt, wie italienische Medien berichteten.

Nach Zahlen des EU-Seuchenkontrollzentrums ECDC starben in Europa bislang rund 250 Menschen an der Schweinegrippe, mehr als die Hälfte davon in Großbritannien. Weltweit wurden rund 6000 Todesfälle gemeldet, davon allein 1000 in den USA.

Die WHO gab in Genf erweiterte Impfempfehlungen heraus. Für die Immunisierung reiche in der Regel eine einzige Dosis der zugelassenen Pandemie-Impfstoffe, berichtete die WHO-Direktorin Marie-Paule Kieny. Die Impfung könne in den meisten Fällen zusammen mit der saisonalen Grippeimpfung geschehen, und es gebe keinen Grund, Schwangere nicht zu impfen. Die WHO stützt sich auf das Urteil ihrer Strategischen Beratergruppe der Impfexperten (SAGE, Strategic Advisory Group of Experts on Immunization). Eine universelle Impfung der gesamten Bevölkerung hat die SAGE nicht pauschal empfohlen.

Gesundheit / Grippe
31.10.2009 · 16:03 Uhr
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