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Rocker schweigt im Polizistenmordprozess

Angeklagter im RockerprozessGroßansicht

Koblenz (dpa) - Mit einem Schuss durch die Tür soll er einen Polizisten getötet haben: Ein Rocker der Hells Angels steht seit Dienstag in Koblenz vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mord.

Für den Staatsanwalt glich die Tat einer Hinrichtung. Aus kurzer Distanz soll ein Rocker der Hells Angels mit großem Kaliber durch eine verglaste Tür auf einen Polizisten geschossen haben. Der 42-jährige Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurde getroffen - tödlich. Ein halbes Jahr nach dem Vorfall begann am Dienstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in Koblenz der Mordprozess gegen das 44 Jahre alte Mitglied des Motorradclubs aus Anhausen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Der Angeklagte hatte die Schüsse kurz nach der Tat zugegeben. Ob er sich vor Gericht äußern will, ließ er zunächst offen. Ihm wird auch mehrfache räuberische Erpressung vorgeworfen.

Trotz der Schwere der Vorwürfe huschte dem Angeklagten beim Gang in den Gerichtssaal kurz ein Lächeln übers Gesicht. Etwa 20 weitere «Höllenengel» hatten im Saal Platz genommen, um ihre Solidarität zu zeigen. Sie trugen schwarze Lederwesten mit dem Aufdruck des Rockerclubs. Auch der 44-Jährige mit seinen langen, zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren war ganz in Schwarz gekleidet.

Am frühen Morgen des 17. März 2010 hatte die Polizei an mehreren Orten im Westerwald Häuser von Hells-Angels-Mitgliedern durchsuchen wollen. Weil bekannt war, dass der 44-Jährige legal Waffen besaß, versuchte das SEK, die Eingangstür seines Hauses aufzubrechen. Der Rocker war jedoch wach geworden und feuerte ohne Warnung zweimal mit einer großkalibrigen Pistole auf einen Polizisten, den er schemenhaft erkennen konnte. «Es ähnelte einer Hinrichtung», sagte der Staatsanwalt mit Blick auf die Distanz von nur 2,50 Meter und die Schussfolge.

Der erste Schuss verfehlte noch knapp den Kopf des knienden Polizisten, als er aufstand wurde der 42-Jährige jedoch trotz Schutzweste am Oberkörper getroffen. Er verblutete innerlich. Der Rocker hatte den Beamten nach Meinung der Staatsanwaltschaft für einen Eindringling gehalten, weil schon zweimal bei ihm eingebrochen worden war. «Er bewertete den Einbruch bei einem Hells Angel als respektlos», hieß es in der Anklage. Aus Sicht des Angeklagten seien deshalb «Konsequenzen» nötig gewesen.

«Wir haben das Problem, dass die Hells Angels keine Polizei rufen, wenn sie Probleme haben, sondern diese selbst mit Gewalt lösen», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Hund vor Prozessbeginn. Das zeige sich auch an der Vielzahl der Anklagepunkte. Der 44-Jährige soll etwa zusammen mit anderen Hells Angels ein früheres Mitglied des Rockerclubs um 7000 Euro erpresst haben. Auch aus Geschäften im Rotlichtmilieu soll er unter Androhung von Gewalt versucht haben, Geld für sich oder andere herauszuschlagen.

Insgesamt sind elf Mitglieder der Motorradgang angeklagt, unter anderem wegen des Verdachts der Erpressung. Das Landgericht hatte jedoch entschieden, den Fall des 44-Jährigen davon abzutrennen. Er war einst Konditor, ging aber berufsunfähig in Rente.

In Rheinland-Pfalz stehen Rocker unter verschärfter Beobachtung. Das liegt auch an einer tödlichen Attacke aus dem Vorjahr. Damals hatten drei Anhänger der Hells Angels im Donnersbergkreis einen führenden Kopf der konkurrierenden Outlaws getötet. Zwei von ihnen wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dem Angeklagten im Koblenzer Prozess droht lebenslange Haft.

Prozesse / Kriminalität / Rocker
14.09.2010 · 13:57 Uhr
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