News
 

Riskante HSH-Nordbank-Geschäfte sorgen für Wirbel

Logo der HSH NordbankGroßansicht
Hamburg (dpa) - Die angeschlagene HSH-Nordbank kommt durch die Offenlegung früherer Geschäftspraktiken nicht aus den Schlagzeilen. So soll die Vorstandsspitze nach einem Bericht des Radiosenders NDR Info verlustreiche Geschäfte ihrer Londoner Niederlassung aus dem Jahr 2007 selbst genehmigt haben.

Bei den riskanten Investments mit der Bezeichnung «Omega» geht es um Kreditersatzgeschäfte, die der Bank einen vorläufigen Schaden von 500 Millionen Euro eingebrockt haben. Nach Angaben einer HSH-Sprecherin hat der frühere Gesamtvorstand das damalige Geschäft zur Kenntnis genommen. Es wurde in der Bilanz 2008 wertberichtigt. In dem Jahr der Lehman-Pleite und dem Höhepunkt der Finanzkrise schrieb die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro.

Auf die jüngsten Medienberichte reagierten Politiker der SPD und Grünen im Norden empört und verlangten die Ablösung des Vorstandschefs Dirk Jens Nonnenmacher. Auch die FDP drängt nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» bei der Bildung der neuen Regierung in Schleswig-Holstein darauf, den HSH-Chef auszuwechseln. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hatte vor der Landtagswahl jedoch betont, er halte an Nonnenmacher fest.

Der Mathematikprofessor hatte im November 2008 seinen Vorgänger Hans Berger an der Spitze des Instituts ersetzt und war ein Jahr zuvor als Risikoexperte zu der Bank gekommen. Ihr Aufsichtsrat mit dem früheren Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper an der Spitze will nach «SZ»-Informationen in der kommenden Woche bei einer Sondersitzung zwei neue Vorstandsmitglieder bestellen. Eine Bestätigung gab es dafür noch nicht. Seit Monaten amtiert Vorstandschef Nonnenmacher als Finanzvorstand, Risikochef und verantwortet das operative Geschäft. Die Bankenaufsicht drängt seit längerem darauf, dass die vakanten Posten zur Entlastung Nonnenmachers wieder besetzt werden.

Laut NDR Info haben unter anderem HSH-Chef Nonnenmacher sowie sein Stellvertreter Peter Rieck den Antrag für die London-Geschäfte unterschrieben. Der Sender beruft sich auf ihm vorliegende Dokumente. Vor der Genehmigung habe das bankeigene Risikomanagement ausdrücklich auf Gefahren hingewiesen, berichtete NDR Info. So sei «der Zeitrahmen für die Begutachtung außerordentlich eng und mit Hinblick auf die Komplexität und die betreffende Summe unangemessen kurz» gewesen. Außerdem hielten die Risikoexperten es für möglich, dass die Aufsichtsbehörde BaFin das Geschäft nicht genehmigen werde. Deshalb habe die HSH entscheidende Teile offenbar vor der Finanzaufsicht verheimlicht. Das legten ein NDR Info vorliegender Brief der HSH sowie interne E-Mails nahe.

Nach früheren Angaben aus Finanzkreisen soll ein ehemaliger Manager in London allein die Verantwortung für die Verluste aus den Omega-Geschäften tragen. Zudem sei der Vorstand der HSH getäuscht worden. Ein HSH-Sprecher sagte der dpa am Montagabend: «Omega ist kein neues Geschäft. Es handelt sich um eine bekannte Transaktion aus dem Jahr 2007, die vollständig im Geschäftsbericht 2008 verarbeitet und über die wiederholt in den Medien berichtet wurde. Sie ist Bestandteil der Untersuchungen der Kanzlei Freshfields für den Aufsichtsrat, deshalb können wir sie nicht weiter kommentieren.»

Kritische Äußerungen zu dem jüngsten HSH-Fall mit der Forderung nach einer Abberufung Nonnenmachers kamen aus der Politik: Jeden Tag werde deutlicher, dass der Bankchef wie seine Vorstandskollegen tief in die riskanten Verlustgeschäfte der Bank verstrickt seien, teilte der Finanzexperte der Hamburger SPD-Bürgerschaftsfraktion Peter Tschentscher mit. Er verlangte vom Senat, endlich einzugreifen und die Ablösung Nonnenmachers zu veranlassen.

Diesen Schritt forderte auch der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD-Landtagsfraktion, Ralf Stegner. Sollten die neuen Vorwürfe zutreffen, müsse Nonnenmacher entlassen werden. Dem schloss sich für die Grünen in Schleswig-Holstein die finanzpolitische Sprecherin Monika Heinold an. Ministerpräsident Carstensen müsse umgehend dafür sorgen, dass die Vorwürfe zügig aufgeklärt und gegebenenfalls personelle Konsequenzen ergriffen werden.

Zuvor hatten die Pläne der Landesbank für geplante Bonuszahlungen an den Vorstand für politische Aufregung gesorgt. Dem entgegnete die Landesbank: «Der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper hat bereits unmissverständlich deutlich gemacht, dass sowohl alle laufenden als auch alle künftigen Vorstandsverträge im Einklang mit der Garantieerklärung der Länder Hamburg und Schleswig Holstein sind und bleiben werden.»

Banken
13.10.2009 · 16:56 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen