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Rio+20-Gipfel - So fahrlässig beuten wir unsere Erde aus

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1992 trafen sich Regierungsvertreter, [tt=Nichtregierungsorganisation (non-governmental organisation) ist eine Bezeichnung für einen zivilgesellschaftlich zustande gekommenen Interessenverband. NGOs sind beispielsweise Greenpeace, Amnesty International und ActionAid.]NGOs[/tt] und Journalisten am Zuckerhut zur ersten UN-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung. Dieser sogenannte Erdgipfel setzte Maßstäbe: Er war mit 17.000 Teilnehmern nicht nur das größte diplomatische Ereignis des vergangenen Jahrhunderts, sondern rückte seit der [tt=Die UN-Weltkonferenz über die menschliche Umwelt fand vom 5. bis 16. Juni 1972 in Stockholm statt. Sie war die erste UN-Weltkonferenz zum Thema Umwelt und gilt als Beginn der internationalen Umweltpolitik.]Stockholm-Konferenz 1972[/tt] erstmals wieder Umweltfragen ins globale Rampenlicht.

20 Jahre danach will der dreitägige Rio+20-Gipfel, der heute am gleichen Ort wie damals beginnt, wieder Geschichte schreiben. Doch bereits im Vorfeld zeichneten sich alte Grabenkämpfe ab. Die Abschlussdeklaration zum Motto der Konferenz, «Die Zukunft, die wir wollen», gilt als umstritten. Wichtige Staatschefs wie US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premier David Cameron und Russlands Präsident Wladimir Putin werden fernbleiben.

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Die Vorzeichen für einen Durchbruch bei der Vermittlung von Wirtschaft, Umwelt und sozialer Gerechtigkeit stehen also alles andere als gut. Dabei sind die Probleme dringlicher denn je. Keines der Ziele, die 1992 mit der Agenda 21 gesetzt wurden, darunter Armutsbekämpfung, Waldschutz, Schutz der Erdatmosphäre und Abfallbeseitigung, ist hinreichend erfüllt worden.

Erschreckende Zahlen

Das liegt vor allem daran, dass wir noch immer über unsere Verhältnisse leben. Dem aktuellen Living Planet Report des WWF zufolge hat die Welt einen ökologischen Fußabdruck von 1,5. Das heißt: Die Bevölkerung verbraucht eineinhalb so viele Ressourcen wie die Erde bereitstellen kann. Erneuerbare Ressourcen werden schneller abgeschöpft, als das Ökosystem sie regenerieren kann; CO2 wird in Mengen ausgestoßen, die die Natur nicht aufnehmen kann.

Dieser übermäßige Konsum führt zum einen dazu, das Waldflächen schrumpfen. Laut Living Planet Report gehen jede Minute weltweit Wälder im Ausmaß von 35 Fußballfeldern verloren. In den europäishen Meeren gelten außerdem drei von vier Fischbeständen als überfischt. Polkappen schmelzen und Wüsten entstehen aufgrund steigender CO2-Konzentrationen. Macht die Menschheit so weiter, würde sie bis zum Jahr 2050 drei Planeten benötigen, um ihre Bedürfnisse zu decken.

Denn: Der Verbauch steigt auch, weil die Bevölkerung wächst und wächst. Bis 2050 soll sie von aktuell sieben auf neun Milliarden Erdenbürger ansteigen. Die Folgen des Klimawandels und der Überlastung unseres Ökosystems werden aber vor allem jene von ihnen tragen müssen, die einen vergleichsweise kleinen ökologischen Fußabdruck haben. So verbraucht ein Amerikaner so viele Ressourcen wie 13 Afghanen. Insgesamt entfallen 80 Prozent der Ressourcen auf nur 1,4 Milliarden Menschen - vor allem in Industrieländern.

Nahrungs- und Wasserknappheit trifft noch immer Schwellen- und Entwicklungsländer am härtesten. Dort lebt die Mehrheit jener Milliarde Menschen, die Hunger leiden und mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen müssen. 800 Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Neue Fonds für Projekte der nachhaltigen Entwicklung, der Armutsbekämpfung und Gesundheitsversorgung stehen deshalb auf der Wunschliste dieser Länder, doch die großen Player haben bereits abgewunken.

Hehre Ziele

Befürchtungen, dass der Rio+20-Gipfel ein Gipfel der Unverbindlichkeiten wird, sind daher nicht unbegründet. Einer der Hauptpunkte der Konferenz ist der Kurswechsel hin zu einer [tt=Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, kurz UNEP, definiert «Green Economy» wie folgt: «Green Economy ist eine Wirtschaftsweise, die zu erhöhtem menschlichen Wohlbefinden und mehr sozialer Gerechtigkeit führt, während sich gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheit deutlich verringern.»]«Green Economy»[/tt], die - geht es nach dem Willen der UN - bis 2030 knapp ein Drittel des Energie-Mixes ausmachen soll. Zwei Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes sollen dafür jährlich investiert werden.

Ob diese Rechnung aufgeht? Dass der Boom erneuerbarer Energien mit Vorsicht zu genießen ist und nur im Rahmen nachhaltiger Reformen Erfolg verspricht, die auch auf nationaler Ebene greifen, zeigt das Beispiel Deutschland. Hier ist die Energiewende längst zum Problemkind geworden, dem es an einem vernünftigen Gesamtkonzept fehlt. Trotz aller Bemühungen konsumieren wir Deutschen noch immer zweieinhalb Mal so viel, wie es uns die Erde eigentlich erlaubt. Das muss sich ändern, denn einen Ersatzplaneten gibt es nicht.

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[news.de] · 20.06.2012 · 10:15 Uhr
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