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Riesige Rückholaktion für Ausländer in Libyen

Neu Delhi/Peking (dpa) - In aufwendigen Rückholaktionen versuchen viele Länder, ihre Bürger aus dem im Chaos versinkenden Libyen herauszuholen.

Das Auswärtige Amt will weitere Deutsche wegen der angespannten Lage aus Libyen nach Hause bringen. Über die Bundeswehr und die Lufthansa seien weitere Sonderflüge geplant, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch auf Anfrage in Berlin. Zwei Transall-Maschinen der Bundeswehr hatten Bundesbürger am Dienstagabend aus der libyschen Hauptstadt Tripolis nach Malta gebracht. Offen war zunächst, wann die Flugzeuge zurück nach Deutschland kommen und wie viele Bundesbürger noch auf Zwischenstopp in Malta waren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Dienstag äußerst besorgt gezeigt und der libyschen Führung Sanktionen angedroht.

Auch China und Indien wollen tausende Landsleute ais Libyen herausholen. Wie am Mittwoch aus dem Außenministerium in Neu Delhi verlautete, gibt es Pläne, mehr als 18 000 Inder auf dem See- und Landweg ins Nachbarland Ägypten zu bringen und von dort in die Heimat zu fliegen. Die meisten indischen Staatsbürger hielten sich in der Hauptstadt Tripolis und der Hafenmetropole Bengasi auf. Staatssekretärin Nirupama Roa sprach vor Reportern in Neu Delhi von einer «Mammutaufgabe» und bat um Geduld.

In Peking ordneten Staats- und Parteichef Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao nach einer Krisensitzung umfangreiche Schritte zur Evakuierung an, wie Staatsmedien am Mittwoch berichteten. Schiffe staatlicher Unternehmen sowie chinesische Fischerboote sollen vor die Küste Libyens geschickt werden. Chinas Botschaft in Ägypten organisiert Reisebusse zur Grenze nach Libyen, um chinesische Staatsbürger abzuholen.

Auch Griechenland hilft China: Vier Fähren sollen zwischen Tripolis und der Mittelmeerinsel Kreta pendeln, um Chinesen und andere Bürger in Sicherheit zu bringen. Rund 33 000 Chinesen leben nach offiziellen Angaben in dem von schweren Unruhen erschütterten nordafrikanischen Staat. Viele chinesische Unternehmen seien geplündert, 15 Chinesen schwer verletzt worden.

Bereits am Dienstag hatte sich die Regierung des Nachbarlandes Bangladesch besorgt über die Lage ihrer mehr als 95 000 Landsleute in dem nordafrikanischen Staat gezeigt. Das Außenministerium in Dhaka erklärte, man bemühe sich, die zumeist als Arbeiter beschäftigten Menschen zu unterstützen. Sollte ein Evakuierung notwendig werden, sei das Land jedoch auf die Hilfe anderer Staaten angewiesen.

Die Unruhen in Libyen machen nach den Worten des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu die größte Rettungsaktion in der Geschichte des Landes nötig. In den vergangenen 72 Stunden seien fast 5000 von insgesamt 25 000 Staatsbürgern aus dem nordafrikanischen Land herausgeholt worden, sagte er am Mittwoch in Ankara auf einer Pressekonferenz. Er mahnte in einer komplizierten Lage zu äußerster Vorsicht. «Wir dürfen keine Fehler machen. Zur richtigen Zeit die richtige Erklärung», sagte er.

In der Türkei gibt es die Befürchtung, die in Libyen lebenden und arbeitenden Türken könnten bei den Kämpfen zwischen Truppen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi und seinen Gegnern zwischen die Fronten geraten.

Die spanische Regierung hat eine Maschine der Luftwaffe nach Libyen geschickt, um Spanier aus dem nordafrikanischen Land auszufliegen. Das Flugzeug befinde sich auf einem Flughafen in der Nähe von Tripolis, teilte die spanische Außenministerin Trinidad Jiménez am Mittwoch in Madrid mit. Die Besatzung warte darauf, eine Landegenehmigung für den Flughafen der Hauptstadt zu bekommen. Die Maschine könne 50 bis 80 Spanier sowie Bürger anderer EU-Staaten außer Landes bringen.

Die Ministerin betonte, Muammar al-Gaddafi habe jede Legitimität als Staatschef verloren. Ein politischer Führer, der die Bürger des eigenen Landes bombardieren lasse, dürfe nicht länger an der Spitze des libyschen Staates stehen.

Unruhen / Libyen / China / Indien
23.02.2011 · 11:29 Uhr
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