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Richterin in Köln entkommt Briefbomben-Anschlag

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Köln (dpa) - Der verhinderte Briefbombenanschlag von Köln galt einer Richterin am Landgericht. Der an sie adressierte DIN-A5-Umschlag war am Montagmorgen am Kölner Amtsgericht aufgefallen und entschärft worden.

Er enthielt explosiven Sprengstoff. «In dem Umschlag befand sich ein zündfähiges Gemisch, das eine Stichflamme hätte entfachen können», sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Diese hätte wohl zu leichteren Verbrennungen geführt. Dass die Briefbombe lebensgefährlich hätte werden können, bezweifelte die Polizei allerdings. Warum die Richterin Ziel des Attentäters war, blieb zunächst unklar.

Während Experten den Sprengsatz untersuchten, liefen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Hinweise auf den Absender gab es nicht. Ein Bekennerschreiben, wie es nach dem versuchten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Dezember aufgetaucht war, fanden die Beamten zunächst nicht. Auch über das Tatmotiv rätselte die Polizei. «Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar», sagte Oberstaatsanwalt Alf Willwacher.

Der Wachsamkeit der Gerichtsmitarbeiter ist es zu verdanken, dass die Zivilrichterin und ihre Kollegen unversehrt blieben. An der Poststelle des Justizgebäudes prüfen sie alle eingehenden Sendungen. Als ihnen das Kuvert ohne Absender samt heraushängendem Metalldraht in die Hände fiel, wurden sie misstrauisch und alarmierten den Kampfmittelräumdienst des Landeskriminalamtes (LKA). Die LKA-Beamte untersuchten das Kuvert zunächst sorgfältig und entschärften es dann. Sie entscheiden jeweils am Ort, ob sie einen Sprengsatz entschärfen, ins Freie bringen oder kontrolliert explodieren lassen.

«Nicht nur die Richterinnen und Richter, auch die übrigen Mitarbeiter der Gerichte sind alltäglich einer gewissen Grundgefahr ausgesetzt», sagte Christian Friehoff, Geschäftsführer des Bundes der Richter und Staatsanwälte in Nordrhein-Westfalen am Dienstag. «Es kommt immer wieder zu Gewalttaten.» Deshalb habe jedes Gericht spezielle Sicherheitskonzepte wie Eingangs- und eben auch Postkontrollen.

Scanner oder Röntgengeräte, die Sendungen auf explosive Stoffe oder Metall untersuchen könnten, sind bei der Deutschen Post nicht im Einsatz. «Bei 66 Millionen Briefen jeden Tag ist eine vollständige Kontrolle aller Sendungen nicht möglich», sagte ein Sprecher des Unternehmens. Empfänger von Briefen sind für ihre Sicherheit also grundsätzlich selbst verantwortlich. Die Mitarbeiter in den Sortierzentren seien aber geschult und würden auf auffällige Merkmale wie etwa Drähte achten, hieß es. Ob die Kölner Briefbombe durch die Deutsche Post zugestellt worden war, konnten weder der Post-Sprecher noch die Kölner Polizei sagen.

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Kriminalität / Justiz
10.01.2012 · 14:51 Uhr
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