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Rettungsaktion für Kumpel in Chile gestartet

Rettungsbohrung in Chile hat begonnenGroßansicht

Santiago de Chile (dpa) - Mit Hilfe eines Bohrkopfes aus Deutschland ist die mehrmals verschobene Rettungsaktion für die 33 in einer chilenischen Mine eingeschlossenen Bergleute endlich angelaufen.

Der Spezialbohrer Strata 950 nahm die Arbeit in der Nacht zum Dienstag auf, nachdem das Spezialgerät aus Deutschland bei der abgelegenen Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste etwa 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago eingetroffen war.

Angehörige der seit einem Stolleneinsturz vor 25 Tagen eingeschlossenen Kumpel begrüßten die Lieferung aus Deutschland und den Bohrbeginn mit Applaus. Einige Familien kampieren seit Wochen im harschen Wüstenklima bei der Mine. Experten veranschlagten allerdings bis zu vier Monate, bis die Verschütteten wieder das Licht der Sonne erblicken können.

Auch Experten der US-Weltraumbehörde NASA trafen in Chile ein. Die drei Ärzte und ein Ingenieur vom Johnson Raumfahrtzentrum in Houston (US-Bundesstaat Texas) wollen die Chilenen bei der Betreuung der seit dem 5. August festsitzenden Bergarbeiter beraten. Die Erfahrungen aus der bemannten Raumfahrt sollen helfen, die Eingeschlossenen körperlich und geistig fit zu halten.

Der Vizeleiter des medizinischen Dienstes des Raumfahrtzentrums, Michael Duncan, hatte sich am Wochenende in einem NASA-Video optimistisch über die Fähigkeit der Kumpel geäußert, die lange Wartezeit zu überstehen. «Die Bergarbeiter haben unter Tage schon viel für sich selbst getan, sich selbst organisiert und der Welt damit gezeigt, dass sie überleben können», sagte Duncan.

Der NASA-Ingenieur Clint Cragg will sich vor allem um das Problem des Umgangs mit Abfall und Fäkalien unter Tage kümmern. Dies ist in der feuchten und bis zu 35 Grad heißen Luft unter Tage eine der wichtigsten Aufgaben, um Infektionskrankheiten unter den Eingeschlossenen zu vermeiden.

Den Verschütteten, die über enge Röhren mit dem Nötigsten versorgt werden, ging es den Umständen entsprechend gut. Sie zogen inzwischen in einen trockeneren Teil des Bergwerkes um.

Deutsche Bergbauexperten rechnen damit, dass die Bohrung mit einem Tempo von 7 bis 8 Metern pro Tag vorankommen könnte. Das wäre eine gute Leistung, sagte Klaus Stöckmann vom Fachverband Bergbaumaschinen der Nachrichtenagentur dpa. In Chile war bisher von 8 bis 15 Metern die Rede gewesen.

Erforderlich sind zwei Bohrgänge, sagte Stöckmann. Im ersten Durchgang wird ein Durchmesser von 40 Zentimetern erreicht. Das Gestein wird dabei an die Oberfläche befördert. Im zweiten Gang - zurück nach oben - wird die Röhre auf etwa 70 Zentimeter verbreitert. «Bei der Aufwärtsbohrung fällt das Bohrklein nach unten und kann von den Bergleuten weggeräumt werden», erläuterte Stöckmann.

Parallel zu der bereits angelaufenen Bohrung soll voraussichtlich eine zweite Röhre auf einen Tunnel in 600 Metern treffen. «Das ginge schneller», sagte Stöckmann. Die Bergleute müssten allerdings durch das Tunnelsystem nach oben steigen.

Nach Kritik an der staatlichen Überwachung der Sicherheitsvorschriften in Bergwerken gab es erste personelle Konsequenzen. Der für die Region Atacama zuständige Vertreter des Gesundheitsministeriums, Raúl Martínez, erklärte seinen Rücktritt. Er hatte erst am 28. Juli die Wiedereröffnung der Unglücksmine genehmigt. Sie war geschlossen worden, als ein Arbeiter im Juli infolge Steinschlags ein Bein verloren hatte. Die Forderung der Arbeiter, ihre Gehaltszahlungen zu übernehmen, lehnte die Regierung ab.

Notfälle / Chile
31.08.2010 · 16:21 Uhr
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