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Rettung der Kumpel in Chile hält die Welt im Atem

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Bergwerk San José (dpa) - Beten und Daumendrücken für die verschütteten Kumpel in Chile: Die spektakulärste Rettungsaktion in der Bergbaugeschichte stand am Dienstag unmittelbar vor dem lange ersehnten Start.

Möglichst noch vor Mitternacht am Dienstag Ortszeit (Mittwoch 05.00 Uhr MESZ) sollte der erste Kumpel an die Oberfläche gezogen werden, sagte Bergbauminister Laurence Golborne. Im Lager bei der Mine beteten die Angehörigen für einen glücklichen Ausgang des längsten Grubendramas der Geschichte. Die Männer fristeten seit fast 70 Tagen ein Dasein in dunkler Tiefe.

Vor der Bergung würden noch letzte Tests mit der Rettungskapsel «Fénix 3» gemacht, bei denen einer der 16 bereitstehenden Retter auch in den 622 Meter tiefen Schacht hinabgelassen werde, sagte Golborne am Dienstag vor Journalisten bei der Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste.

Anschließend soll dann der erste Helfer den Eingeschlossenen in der Tiefe die Bergung erklären. Dann wird die Stahlkapsel mit dem ersten Verschütteten nach oben gezogen. Danach sollen zwei weitere Retter folgen, während in der Kapsel bei den beiden Auffahrten die nächsten zwei Bergleute nach oben geholt werden. Da die Rettung pro Verschüttetem insgesamt etwa 55 Minuten dauern werde, sind für die spektakuläre Aktion zwei Tage veranschlagt.

Die Bergleute erwartet an der Oberfläche vor allem ein riesiger Medienrummel, Journalisten aus aller Welt haben sich vor der Mine versammelt. Jeder der Geretteten kann über ein Mikrofon zu den Journalisten sprechen, wenn er das möchte. In einer Erklärung baten die Verschütteten am Vortag, die ersten Tage mit ihren Familien in Ruhe verbringen zu können. Fragen der Medienhorde würden sie dann später gerne beantworten. Ein Teil der Familien plane einen Kurzurlaub in Ferienhäusern im Süden und Norden des Landes, was die Psychologen empfohlen hatten. Bei der Mine San José in der Atacama-Wüste wurden auch Präsident Sebastián Piñera und sein bolivianischer Amtskollege Evo Morales erwartet. Einer der Bergleute ist Bolivianer.

Die Bergleute bekamen zum Abschluss eine Diät mit erhöhtem Salzgehalt, damit sie mehr trinken und damit sie besser auf die Auffahrt vorbereitet seien, sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich. Psychologen werden mit jedem einzelnen der Eingeschlossenen sprechen, um festzulegen, in welcher Reihenfolge die Männer an die Oberfläche gezogen werden sollen. Die katholische Kirche des südamerikanischen Landes rief die Gläubigen zu Gebeten auf, bis auch der letzte Kumpel gerettet ist.

An der Oberfläche angekommen, werden die Männer von einem Arzt untersucht, medizinisch betreut und können sich waschen. Dann kommt das sehnsüchtig erwartete Wiedersehen mit engsten Familienangehörigen. Immer vier Kumpel werden anschließend in Hubschraubern in das Krankenhaus der nahe gelegenen Stadt Copiapó geflogen. Nach einer eingehenden Untersuchung könnten sie je nach Gesundheitszustand nach ein bis zwei Tagen nach Hause entlassen werden.

Das Drama unter Tage hatte am 5. August begonnen. Mehr als zwei Wochen dauerte es, bis die Verschütteten nach dem Einsturz entdeckt und über Schächte versorgt wurden. Noch nie waren Menschen so lange Zeit in so großer Tiefe gefangen. Die Aktion zu ihrer Rettung ist die längste und aufwendigste, die je im Bergbau vorgenommen wurde. Den Verschütteten half ein ausgeklügeltes Beschäftigungs- und Fitnessprogramm, die belastende Zeit in der Tiefe zu überstehen.

Die Rettung der verschütteten Bergleute in Chile wird auch zum weltweiten Fernsehereignis. Etliche deutsche Sender sind mit eigenen Kamerateams und Reportern am Einsatzort vertreten und wollen live von der Bergung berichten.

Notfälle / Chile
12.10.2010 · 19:26 Uhr
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