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Retter wollen chilenische Kumpel schneller befreien

Bilder der eingeschlossenen Bergleute. Ihre Befreiung wird vermutlich noch Monate dauern.Großansicht

Santiago de Chile/Castel Gandolfo (dpa) - Die chilenische Regierung will die Rettung der seit dem 5. August in einer Kupfer- und Goldmine eingeschlossenen 33 Bergleute beschleunigen und einen zweiten Rettungsschacht bohren lassen.

Die erste Bohrung zu den Eingeschlossenen in fast 700 Metern Tiefe sollte nach einiger Verzögerung an diesem Montag beginnen und bis zu vier Monate dauern. Der Bohrer vom Typ Strata 950 werde mit einem zusätzlichen Motor aus Deutschland verstärkt, teilten die Behörden mit.

Für die zweite Bohrung muss ein weiterer Bohrer aus einem Bergwerk weiter im Norden zu der Gold- und Kupfermine San José bei Copiapó in der Atacama-Wüste gebracht werden. Er solle eine der drei bestehenden engen Versorgungsröhren so weit vergrößern, dass die Männer eventuell schon in zwei Monaten einer nach dem anderen in einer Rettungskapsel an die Oberfläche geholt werden können.

Papst Benedikt XVI. sprach am Sonntag den Bergarbeitern und ihren Familien Mut zu. «Ich möchte heute mit besonderer Zuneigung an die Bergleute erinnern, die sich eingeschlossen in der Mine von San José in der chilenischen Region von Atacama befinden», begrüßte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach der Sonntagsmesse in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo alle spanischsprachigen Gläubigen. «Ich empfehle die Bergarbeiter und ihre Angehörigen der Fürbitte des Heiligen Lorenzo, auf dass sie die Hoffnung nicht verlieren mögen auf ein glückliches Ende aller Anstrengungen zu ihrer Befreiung.»

Die Bergleute, die seit dreieinhalb Wochen in ihrem unterirdischen Verlies ausharren, sollten am Sonntag erstmals über eine Sprechanlage direkten persönlichen Kontakt mit ihren Angehörigen an der Oberfläche bekommen. Bisher konnten sie nur Briefe durch die Versorgungsröhre schicken. Vergangenen Donnerstag hatten die Männer in der Tiefe zudem ein 45-minütiges Video aufgenommen. Darin wirkten sie bei relativ guter Gesundheit und Moral. Sogar der Humor kam ihnen trotz der beängstigenden Lage nicht ganz abhanden. Am Samstag scherzte einer von ihnen, man möge ihm doch bitte ein Steak hinunterschicken.

Das Schicksal der Eingeschlossenen löste in Chile eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die Spenden waren zwar gut gemeint, aber nicht immer brauchbar. So hätten Menschen Socken mit Kupferfäden gegen Fußpilz geschickt, Computerspiele, Badekappen und sogar Thermokleidung, obwohl es in der Tiefe etwa 30 Grad heiß ist. Würfel, Musik und Hygieneartikel waren schon eher geeignet. «Wir planen eine Reihe von Maßnahmen, um den Männern das Warten zu erleichtern», sagte Bergbauminister Laurence Golborne.

Die Männer, deren erstes Lebenszeichen erst vor einer Woche gekommen war, werden inzwischen über die Röhre ausreichend mit Nahrung, Wasser, Medikamenten und Nachrichten ihrer Angehörigen versorgt. Fünf von ihnen, die unter einer beginnenden Depression litten, hätten die Krise inzwischen überwunden, sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich.

Im Laufe der Woche wurden auch vier Experten der US- Raumfahrtbehörde NASA in Chile erwartet. Sie wollen ihre Erfahrungen aus der bemannten Raumfahrt zur Verfügung stellen, bei der ebenfalls Menschen über einen längeren Zeitraum auf engstem Raum leben müssen.

Notfälle / Chile
29.08.2010 · 14:36 Uhr
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