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Reportage: Mit Leib und Seele Karstadt-Verkäuferin

Verkäuferinnen bei Karstadt in KölnGroßansicht

Köln (dpa) - Als die erlösende Nachricht längst auf allen Kanälen läuft, sind Claudia Schmitz und Gudrun Möde noch ganz ruhig - zumindest äußerlich. «Wir warten erst mal ab, bis uns das jemand ganz offiziell mitteilt», sagt Möde und faltet ein Unterhemdchen auf. «Wir haben in den letzten Monaten schon zu oft erlebt, dass man sich zu früh gefreut hat.» Die beiden Verkäuferinnen stehen am Mittag in der Wäsche-Abteilung bei Karstadt in Köln. Gerade kam grünes Licht für die Rettung: Der Kaufvertrag mit Investor Nicolas Berggruen kann in Kraft treten.

Seit 30 Jahren arbeiten Schmitz und Möde bei Karstadt. «Das ist hier wie eine Familie. Wir kennen uns gegenseitig ja besser als unsere Ehemänner», sagt Möde lächelnd. «Mit Leib und Seele» seien sie dabei - «und zwar meistens fröhlich». Schmitz (45) hat schon ihre Ausbildung bei Karstadt gemacht. Im Laufe der Jahre sei sie geradezu mit dem Unternehmen verwachsen.

Umso härter waren die vergangenen Monate. Diese Hängepartie, diese Ungewissheit, die Angst um den Arbeitsplatz. «Im Geschäft haben wir uns ja gar nichts anmerken lassen», sagt Möde (51). «Da mussten wir eher die Kunden beruhigen als umgekehrt. Die Kunden haben richtig mitgelitten.» Das machte den Verkäuferinnen Mut. Gerade in der Wäscheabteilung gebe es viele Stammkundinnen. «Die haben gesagt: 'Ach, wir wären richtig traurig, wenn es Karstadt nicht mehr gäbe. Wir kommen immer so gerne hierhin.»

Durch den Lautsprecher wird eine Zahl durchgesagt - in der «Kaufhaus-Geheimsprache», die Außenstehende nicht verstehen. «Da - jetzt wird einer vom Betriebsrat nach oben gerufen. Vielleicht sagt uns dann gleich einer was», meint Möde, und schaut sich nervös um.

Wenn Berggruen erst mal am Ruder sei, dann werde sich hoffentlich einiges ändern, sagt Schmitz und räumt einen Karton zur Seite. «Vielleicht setzt sich der Vorstand dann auch mal mit uns, mit den kleinen Verkäuferinnen zusammen, und fragt nach unserer Meinung.» Denn am Sortiment und an der Präsentation könne ruhig mal etwas geändert werden, da haben die Frauen schon ihre Ideen. «Wer weiß denn besser als die Verkäufer, was die Kunden wollen und was nicht?»

In dem Moment kommt der Kollege aus der Spielwarenabteilung herüber und raunt: «Hört mal, die Sache ist in trockenen Tüchern! Wirklich!» Das wisse er aus ganz sicherer Quelle. Möde und Schmitz fallen ihm um den Hals, umarmen sich. Das Lächeln, das trotz der Anspannung die ganze Zeit über auf ihren Gesichtern zu sehen war, wird zu einem Strahlen. «Da werden wir nachher ein Sektchen drauf trinken - wenn's Richtung Feierabend geht!»

Handel / Karstadt
04.09.2010 · 08:43 Uhr
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