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Reportage: Erleichterung in Athen - Bürger aber zornig

Griechenland bekommt ÜbergangsregierungGroßansicht

Athen (dpa) - «Endlich hat sie Gott erleuchtet!» Die Erleichterung über den so mühsam gefunden Kompromiss zur Bildung einer Übergangsregierung ist der Kauffrau Georgia Ioannidou in Athen am späten Sonntagabend anzusehen.

Die beiden großen, aber aufs bitterste verfeindeten Parteien der Sozialisten und der Konservativen haben beschlossen, das sinkende Schiff Griechenland zu retten.

«Hoffentlich ist es nicht zu spät», kommentierte ein Radiosender. «Wir haben in den letzten Monaten den Eindruck gehabt, das Schiff sinkt, während sich der erste und der zweite Kapitän die Köpfe einschlagen, statt es in einen sicheren Hafen zu lenken», hieß es in einem anderen Rundfunkkommentar.

Die geplante Übergangsregierung mit Vertretern von Pasok und Nea Dimokratia (ND) ist nicht das Ergebnis einer politischen Einigung zwischen den beiden Streithähnen Giorgos Papandreou und Antonis Samaras. Es waren die EU und die EU-Kommission in Brüssel, die den Griechen mehrere Ohrfeigen verpassen mussten, ehe sie endlich wach wurden - so sehen es viele Beaobachter in Athen.

«Es gibt kein Geld, wenn Ihr euch nicht einigt», hieß es klipp und klar. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprachen am Rande des G20-Gipfels in Cannes Klartext mit den Griechen.

Vergeblich hatten Athens Sozialisten versucht, den anderen Parteien und den Bürgern beizubringen, dass alle über ihre Verhätnisse gelebt haben, und zwar jahrzehntelang. Schwer war zu vermitteln, dass jetzt alle Griechen den Preis dafür bezahlt müssen.

Der Widerstand ist groß. Das Land drohte in Streiks und Gewalt unterzugehen. Vor allem der Teil der Bevölkerung, der angesichts der harten Sparmaßnahmen auf der Strecke bleibt, ist wütend auf «die da oben».

Keine politische Kraft war bereit, die Grausamkeiten durchzusetzen. Auch die Sozialisten nicht. Ihr Chef Papandreou ist ein ganz netter und höflicher Europäer, beliebt in Brüssel. Er versprach dort vieles. Im eigenen Land konnte er aber kaum etwas von seinen Plänen in die Tat umsetzen. Der griechische Staatsapparat machte nicht mit.

Ob der neuen Regierung die notwendigen Einschnitte gelingen, ist ungewiss. Die Sache ist so verfahren, dass viele Beobachter nur noch wenig Hoffnung hegen, dass das Land noch gerettet werden kann.

Die Zusammensetzung der Regierung sollte am Montagnachmittag bekanntgegeben werden. Das schwere Los, neuer Ministerpräsident zu werden, wird wohl auf den ehemaligen griechischen Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, fallen - will die griechische Presse erfahren haben.

EU / Finanzen / Griechenland
07.11.2011 · 22:40 Uhr
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