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Report: «Wir haben nicht viel Hoffnung»

Kampf um WasserGroßansicht
Port-au-Prince (dpa) - Die Gläubigen zieht es noch immer zur großen Kathedrale in Port-au-Prince, auch wenn das verheerende Erdbeben kaum noch etwas von der Pracht des einstigen Wahrzeichens der haitianischen Hauptstadt übrig gelassen hat.

Nun steigen die Gemeindemitglieder über Trümmer, sammeln aus Bibeln und Gesangbüchern herausgerissene Seiten aus dem Schutt - einfach nur um etwas in der Hand zu haben, Halt zu finden, Trost vielleicht.

Ein Mann mit einer Gitarre sitzt inmitten der Ruinen. Er singt ein Lied über Haiti. Nur wenige Meter weiter liegen Dutzende Leichen auf dem Gehweg. Einige der in der Wärme aufgedunsenen Körper sind mit Tüchern oder Pappe abgedeckt, andere liegen bloß da. Die Leichenstarre hat eingesetzt, wie eingefroren im Moment des Todes strecken ein paar von ihnen die Armen aus, als flehten sie noch immer um Hilfe.

Jean Robert Casimir lebt seit dem Beben mit seiner zwölfköpfigen Familie auf der Straße - in einem Zelt, das für zwei Personen gedacht ist. Er hat schon viel erlitten und nur wenig Mut: «Wir haben nicht viel Hoffnung, wir haben ähnliches schon früher durchgemacht.» Nach dem letzten Wirbelsturm hätten sie gewartet und gewartet. «Sie sagten uns, Hilfe ist unterwegs, aber bei uns ist nie etwas angekommen. Wir haben Angst, dass es bei diesem Erdbeben genauso sein könnte.»

Tausende Menschen haben sich in einen Park der Hauptstadt Port-au-Prince geflüchtet, suchen Schutz unter Plastikplanen. Die Menschen fühlen sich ihrem Schicksal ausgeliefert. «Wir haben alles verloren. Ich habe kein Geld, nichts», erzählt Louis Saurel. «Wir können nicht nach Hause, weil unsere Häuser zerstört sind. Hier herrscht Chaos.»

Der Geruch des Todes liegt in der Luft und macht hier wie in weiten Teilen der haitianischen Hauptstadt das Atmen schwer. Dieser süßlich, fast klebrige Verwesungsgeruch scheint in den Körper der Lebenden einzudringen. Atemmasken sind deshalb ein wertvolles Gut, doch sie sind schwer zu bekommen - wie alles in dieser vom Schicksal und der Naturgewalt so schwer geschundenen Stadt.

In der Kirche vom Heiligen Herzen - der beliebtesten in Haiti - steht nur noch das graue Kruzifix umgeben von Bergen aus Beton und dem buntem Glas der zerbrochenen Kirchenfenster. Der tiefe Glaube der katholischen Haitianer ist schon mehrfach schwer geprüft worden.

Immer wieder wurde ihre Heimat von schweren Unwettern wie Überschwemmungen und Wirbelstürmen getroffen. Auch Dürren und Erdbeben suchten den bitterarmen Karibikstaat heim und verschlimmern die Lage der mehr als neun Millionen Einwohner immer wieder. Armut und Gewalt haben Millionen Haitianer ins reichere Ausland getrieben.

Erdbeben / Haiti
16.01.2010 · 21:51 Uhr
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