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Report: Warten mit ungewissem Ende

Flughafen Frankfurt weiter gesperrtGroßansicht
Frankfurt/Main (dpa) - Vera Kohlhepp singt und spielt Gitarre - mitten im Terminal. Was sonst wegen des Treibens am Frankfurter Flughafen kaum hörbar wäre, findet am Sonntag - dem dritten Tag des Flug-Stopps über Deutschland - sogar Fans. 

«Ein Amerikaner ist extra zu mir gekommen, um sich zu bedanken», erzählt die Frau aus der Nähe von Fulda. Sie wollte eigentlich um 10.00 Uhr mit einer Reisegruppe nach Israel. Doch die Aschewolke aus Island legt den Luftverkehr weiter lahm. Mehr als 2500 Starts und Landungen wurden am Wochenende am größten Airport Deutschlands gestrichen. Auf allen Anzeigetafeln steht weiterhin nur eines: annulliert.

Entsprechend leer ist es in den Gebäuden, nur noch wenige Menschen stehen vor den Schaltern in der Schlange. Marion Schmittmann sitzt mit ihrem Mann beim Frühstück. «Das ist ja fast wie Urlaub», sagt sie und lacht. Eigentlich sollte sie jetzt auf den Kanaren sein. Wie hunderte andere Reisende hat das Ehepaar die Nacht auf dem Flughafen verbracht. Der Flughafenbetreiber Fraport hat 1400 Feldbetten aufstellen lassen.

Bis zu 900 davon stehen in der Transitzone, in der Menschen ohne Visum für Deutschland bleiben müssen, darunter etwa 130 Kinder. Fraport-Mitarbeiter bringen Trinken, Essen, Decken und Waschzeug. Kinofilme, Flughafenrundfahrten und eine Internetlounge werden geboten, wie ein Fraport-Sprecher sagt. Ausnahmezustand am Airport.

Warten oder bleiben?

«Wir sitzen das aus», betont Vera Frank. Sie war mit ihrer Familie auf dem Weg in den Bali-Urlaub und hatte, am Flughafen gestrandet, die Nacht zum Freitag in einem Hotel verbringen wollen. Doch als sie freie Betten gefunden hatten, vervierfachte der Hotelier wegen der großen Nachfrage seine Preise. «Frankfurt ist eine Weltstadt ohne Herz», sagt Frank. Sie zog das kostenlose Feldbett vor - und will warten.

Die Familie von Nadine Mayer aus der Nähe von Darmstadt gibt ihren Traumurlaub dagegen auf. «Wir verpassen unsere Karibik-Kreuzfahrt», sagt sie müde. «Wir fahren jetzt nach Hause, das war es mit unserem Urlaub.» Auch Manuela und Michael Schoop aus dem nordrhein- westfälischen Ahlen überlegen, ob sie ihre Reise nach Asien abbrechen, bevor sie richtig begonnen hat. Michaela Schopp zeigt dennoch Verständnis für das Flugverbot: «Wir wollen in den Urlaub, aber abstürzen wollen wir auch nicht.»

Viel Zeit und Langeweile

Noch in der Nacht zum Sonntag erklärt die Lufthansa, bis 20 Uhr hebe keine ihrer Maschinen ab. Züge, Busse und Mietwagen werden zur gefragten Alternative. Wer trotz allem ausharrt, der entdeckt eine neue Langsamkeit und Stille am Flughafen: Die Einkaufspassagen wirken fast wie ausgestorben. Nicht eine Durchsage mahnt verspätete Passagiere, draußen dröhnen keine Triebwerke. Und in den Cafés unterhalten sich Geschäftsleute, als hätten sie alle Zeit der Welt.

Vulkane / Luftverkehr / Island
18.04.2010 · 22:10 Uhr
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